Archive of ‘Zwei Lesen…’ category

Rezension: »Die Stille Bestie« von Chris Carter

Die stille Bestie

Du denkst, du kennst ihn. Du vertraust ihm. Erzählst ihm deine schlimmsten Geheimnisse. Doch er ist nicht, was du denkst …

Profiler Robert Hunter vertraut nur wenigen Menschen. Eigentlich gibt es nur einen, für den er immer seine Hand ins Feuer legt. Lucien Folter, seinen Freund aus Studientagen. Beide können Menschen besser lesen als jeder andere. Hunter vertraute Folter seine engsten Geheimnisse an. Bis dieser plötzlich verschwand. Jetzt kommt ein Anruf. Die Körperteile unzähliger Mordopfer sind aufgetaucht, grausige Trophäen. Angeklagt ist Lucien Folter. Und er will nur mit einem reden: Robert Hunter …

(Cover-, Text- und Zitatrechte: Ullstein Buchverlage)

Zwei Lesen…. »Die Stille Bestie« von Chris Carter

»Die Stille Bestie« ist der neue Thriller von Chris Carter aus seiner Robert-Hunter-Reihe. Ich habe bisher keins der Robert-Hunter-Bücher gelesen, doch das Buch klang wirklich spannend und in sich abgeschlossen, so dass ich es trotzdem lesen wollte! Und es hat sich gelohnt! Zusammen mit meiner Freundin Jana, habe ich das Buch gelesen und zusammen besprechen wir das Buch in einigen Fragen rund um Aufmachung, Stil und Inhalt.

Diese Leserunde hat etwas länger gedauert als gedacht, aber wir sind endlich fertig geworden und so gibts hier unsere Besprechung:

Wie findest du das Cover des Buches? Welche Erwartungen haben Cover und Titel in dir geweckt?

Jamie: Das Cover ist natürlich das Erste, das einem ins Auge fällt, wenn man ein Buch betrachtet. In diesem Fall fand ich das Cover weder besonders gut, noch schlecht. Es hat mich nicht angesprungen, die riesige Schrift auf dem Cover erinnert mich an amerikanische Cover und die stacheligen Ranken hatten – für mich – keinen Zusammenhang mit dem Titel “Die Stille Bestie”. Als ich dann den Klappentext gelesen habe, kam doch die Neugierde hoch. Ich habe bisher kein Buch aus der Robert-Hunter-Reihe von Chris Carter gelesen, doch das Buch schien mir relativ unabhängig von den anderen Teilen. Mich hat besonders der Konflikt zwischen dem Profiler Robert Hunter und seinem ehemaligen besten Freund Lucien Folter angesprochen. Folter wird vorgeworfen, ein eiskalter und soziopathischer Mörder zu sein. Kann ein Mensch, den man jahrelang als besten Freund betrachtet hat, einen so täuschen? Spannende Frage, insbesondere wenn man bedenkt, dass Hunter Profiler ist. Der Titel bezieht sich wohl genau auf diesen Konflikt, jedoch erweist sich die Bestie in Haft als ziemlich gesprächig.

Jana: Ich finde das Cover auf jeden Fall auffällig, es ist eine Mischung aus düsterer Stimmung und Märchen wie “Dornröschen” und dank dem Titel “Die stille Bestie” dachte ich auch an “Die schöne und das Biest”! Der Titel hat sich für mich durchaus im Buch wiedergefunden. Ich hatte zunächst und auch durch den Text auf der Rückseite gedacht, dass es darum geht, wie man sich als liebender Mensch in Freunden täuschen kann – die Vermutung hat sich mehr als nur bestätigt. Hunter trifft seinen ehemals besten Freund Lucien Folter wieder, von dem er dachte, dass er niemals einem Menschen etwas zu Leide tun würde. Doch der Name Folter lies von Anfang an auf einen Menschen deuten, der nicht gerade freundlich mit seinen Opfern umgeht und der Name passt, wie sich immer mehr bestätigt, wie die Faust aufs Auge – er ist eine disziplinierte, stille Bestie!!

Nach und nach lernen wir die drei Hauptpersonen kennen: Was hältst du von Hunter, Folter und Taylor?

Jamie: Robert Hunter, Profiler bei der Polizei, begehrt von FBI und Co. tritt als erstes auf den Plan. Er ist hilfsbereit, freundlich, ein Musterbürger, der einfach mal so den Einkauf eines Fremden übernimmt. Er ist sehr intelligent, zielstrebig, und doch auch distanziert und lässt niemanden an sich heran. Er ist nicht karrieregeil, sondern lebt für seine Arbeit als Profiler. Zu Anfang wurde er als der Super-Profiler dargestellt, den jede Behörde für sich haben will und dessen Arbeiten jeder Polizist rauf und runter beten kann.

Es scheint als tarnt Hunter hinter seiner gefassten, stets professionellen Fassade etwas, ein Geheimnis? Eine verletzende Vergangenheit? Er ist nicht der Typ, der sich auf andere einlässt oder schnell Vertrauen fasst. Lucien Folter ist einer der wenigen, die seine Freundschaft und Vertrauen gewonnen haben, auch wenn sie sich seit der gemeinsamen Zeit an der Uni aus den Augen verloren haben, glaubt er ihm und will ihm helfen, dass dieser nicht ins Gefängnis kommt, obwohl er unter Verdacht steht mehrere Frauen getötet zu haben. Folter ist ebenfalls sehr klug und zielstrebig, doch sehen seine Ziele anders aus als Hunters. Schnell wird klar, der Mensch der da vor Hunter sitzt hat nichts mit dem Menschen zu tun, den er einst gekannt zu haben glaubte. Folter ist manipulativ und plant jede Handlung bis ins letzte Detail. Als Leser glaubt man Folter zunächst jede Lüge, die er einem auftischt. Er scheint der arme vom Schicksal bestrafte Studienkollege von Hunter zu sein, dessen Leben ihn so einiges aufegbürgt hat, doch man ahnt nicht was alles hinter dieser Fassade steckt. Ich finde Folter wie auch Hunter sind ziemlich spannende Charaktere.

Die FBI-Agentin Taylor, die den Fall Folter leitet, ist das absolute Gegenteil von Hunter. Zuerst wird der Eindruck erweckt, es handele sich um eine typische FBI-Agentin, professionell, zielstrebig, redet nicht um den heißen Brei. Doch mir persönlich ist sie ziemlich schnell auf die Nerven gegangen. In den Verhören, die sie und Hunter mit Folter führen, hat sie sich sofort von Folter provozieren lassen, sie hat nicht nachgedacht und vorschnell gehandelt. Sie war die schwächere der Hauptpersonen. Keine Spur einer routinierten Agentin, die schon viele Verhöre geführt hat, eher mutet sie wie eine Anfängerin an, die ins kalte Wasser geschubst wird, und das schwimmen nicht beherrscht.

Jana: Robert Hunter war mir bis dato unbekannt (dies hier war mein erstes Chris Carter Buch) er wird von vornherein aber als äußerst freundlich und hilfsbereit beschrieben – so zahlt er zum Beispiel gleich zu Beginn einem Mann mal eben ⅔ seines Einkaufes, er scheint ein Samariter zu sein, der definitiv an das Gute im Menschen glaubt, bis sein alter Freund Folter auftaucht und ihn eines Besseren belehrt. Beruflich ist er standhaft, er könnte viel mehr erreichen, ist aber absolut zufrieden mit dem, was er ist. Ein genügsamer, intelligenter Mann!

Lucien Folter kauft man zunächst einmal alles ab! Man konnte sich richtig in die Verhöre reinversetzen, er tischt einem sogar Lügengeschichten auf, die absolut glaubhaft wirken und die man ihm, ebenso wie Hunter, absolut glaubt. Doch der Schein trügt und man merkt sehr schnell, dass hinter seiner Fassade des äußerst disziplinierten, intelligenten Folter jemand steckt, der seinem Namen alle Ehre macht. Ich glaube er ist ein wenig durchgeknallt! Bei all dem Leid, welches er seinen Opfern zufügt ist er stets der Überzeugung, er mache das, aus einem guten Grund und sogar für einen guten Zweck! Also wirklich, er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, aber wird als absolut überzeugender, studierter und schlauer Killer dargestellt, vor dem man fast von Hochachtung haben sollte – aber nur fast !

Special Agent Taylor vom FBI leitet quasi die Ermittlungen in diesem Fall – Bereits beim zweiten Interview mit Folter hat sie sich für mich völlig ins Aus geschossen! Sie soll eine tolle Agentin sein und Serienmörder interviewen und fassen dürfen? Ganz ehrlich, grausam schlechte Wahl! Sie verliert enorm schnell die Fassung und lässt sich total schnell negativ beeinflussen. Meiner Ansicht nach, hat sie, emotionsgeladen wie sie ist, den falschen Job gewählt. Ich finde sogar, dass sie dank ihrer “krankes Schwein etc.”-Beleidigungen die Arbeit von Lucien Folter honoriert und in gewisser Weise freut er sich total, sobald die Agentin mal wieder auf sein Spiel eingeht und den Emotionen freien Lauf lässt.

Das Buch ist so aufgebaut, dass der Bösewicht eigentlich von vornherein gefasst ist und die Agenten nicht dem Bösewicht sondern seinen Taten hinterher jagen, findest du diesen Ansatz interessant?

Jana: Tatsächlich könnte man jetzt meinen es wäre weniger spannend, weil der Mörder quasi von Anfang an feststeht, aber mich hat es ein bisschen an meinen Lieblingsfilm “Das Schweigen der Lämmer” und an den guten alten Mister Hopkins als Dr. Hannibal Lecter erinnert, der mit der Polizei spielt und sagt “Sie stellen Fragen, ich antworte ehrlich und dann stelle ich eine Frage, die Sie mir beantworten müssen!” Ich mag Bücher in denen Psychospielchen gespielt werden!

Jamie: Mich hat das Buch ebenfalls an “Das Schweigen der Lämmer” erinnert. Der Bösewicht sitzt hinter Gittern und fordert dennoch die eifrigen Polizisten, oder in diesem Fall das FBI heraus. Folter hat trotz seiner Inhaftierung eine Menge auf Lager. Die Spannung hat nicht gelitten, im Gegenteil fand ich es interessant, Folters Geschichte Stück für Stück zu erfahren und mit zu fiebern, was Wahrheit und was Manipulation ist.

Hattest du Lieblings-Zitate im Buch?

Jana:

“[…] oder [dass er] so verdammt hässlich war, dass er sich vermutlich an seinen Spiegel anschleichen musste.” (Seite. 252)

“Anstelle ihres Freundes lag ein Fremder mit blutigen Kleidern neben ihr im Bett und starrte ihr in die Augen, während er an zweien ihrer Finger lutschte.” (Seite 260)

“Wow. Ich könnte einen Teller Buchstabensuppe essen und danach ein besseres Argument scheissen.” (Seite 319)

Alles Zitate von Lucien Folter, der die Welt trotz seiner Taten mit viel schwarzem Humor betrachtet hat und dies die Leser spüren lassen hat !

Jamie: Da kann ich Jana nur Zustimmen, der schwarze Humor von Folter, ist wirklich übel! Jana hat wirklich super Zitate angeführt, die ich mir auch ausgesucht hätte!

Wie lautet dein Fazit?

Jamie: “Die Stille Bestie” ist ein insgesamt sehr spannender Thriller, der seine Geschichte mal auf eine andere Art erzählt. Der vermeindliche Bösewicht Lucien Folter wird gleich am Anfang vom FBI festgenommen, er fordert Robert Hunter für sein Verhör und so beginnt die Suche nach der Wahrheit von hinten nach vorne. Vom Täter zum Opfer. Das Buch ist so aufgebaut, dass ein Handlungsstrang die Verhöre mit Folter thematisiert, und ein anderer beschreibt wie Hunter und Taylor immer wieder Folters seltsamen Anspielungen und Aussagen nachgehen. Immer wieder werden Rückblenden aus Hunters Vergangenheit eingebaut. Ich hab mich gewundert wie viel von Hunters persönlicher Geschichte in dem Buch aufgedeckt wird, in anbetracht, dass es schon der 6. Band der Reihe ist. Es würde mich interessieren wie die anderen Bände geschrieben sind. Ich fand die Idee, dass der vermutete Täter bereits geschnappt ist und dennoch alle Fragen noch offen sind ganz spannend. Auch die Charaktere Hunter und besonders auch Folter fand ich sehr gut gelungen. Insbesondere wie Folter mich, als Leser, immer wieder aufs Glatteis geführt hat war wirklich gut gemacht.

Jana: Das Buch ist eine bunte Mischung aus aktuellen Geschehnissen, die zum Teil auch parallel laufen und Geschichten aus der Vergangenheit: Zum einen Erzählungen von Dr. Hunter: Geschichten, die einen beinahe zu Tränen rühren und zum anderen die detaillierten Schilderungen von Lucien Folter, die mir ab und an Gänsehaut verpasst haben, dank Sätzen wie “Ich frage mich wie es ihnen wohl gehen wird, wenn sie erfahren, dass sie ihre eigene Tochter gegessen haben.” (S.227) Die Ereignisse aus der Sicht des Täters geschildert zu bekommen, welcher sich seinen Morden voll und ganz hingibt und glaubt es sei alles für die Wissenschaft ist tatsächlich ein wenig lehrreich und auf jeden Fall spannend! Tatsächlich fände ich es spannend, noch mehr in Lucien Folters Gehirn einzutauchen. Ich wüsste jedoch nicht, ob die weiteren Bücher mit Robert Hunter ebenso spannend sein können wie dieses, sehr Persönlichkeit-offenbarendes Buch über ihn.

Buchdetails

stilleBestie_klein

 

Band 6 der Robert-Hunter-Reihe:
»Die Stille Bestie«

Verlag: Ullstein Buchverlage (11. September 2015)
ISBN: 9783548287126
Preis: 9,99€
Website →

 

 

 

© Blutrot – Jamie’s Bücherblog 2015
 

Rückblick: »Dunkle Gebte« von Sharon Bolton

Vor einiger Zeit, in düsterer Vergangenheit, vor Jahrmiliooonen… Spaß beiseite: letztes Jahr haben Jana und ich ein Buch zusammen gelesen: Zwei lesen… »Dunkle Gebete«  von Sharon Bolton. Am Ende war ich jedoch ziemlich allein gelassen beim Lesen, da Jana einfach nicht in den Quark gekommen ist.

Ich hab das Buch längst gelesen, rezensiert und ins Regal verstaut, deshalb war ich sehr überrascht, dass Jana, nach bestimmt einem Jahr, doch noch ein paar Fragen zu »Dunkle Gebete« beantwortet hat. Ich freue mich, dass sie doch noch daran gedacht hat. Demnächst werden wir zusammen eine neue Runde von »Zwei Lesen gemeinsam« eröffnen und ich hoffe, dass wir uns dann mehr über das Buch austauschen können.

Dunkle Gebete_gross

»Die Opfer sind unschuldige Frauen. Der Killer ist ein Phantom. Und die Ermittlerin hütet ein schreckliches Geheimnis …

DC Lacey Flint ist eine junge Londoner Ermittlerin mit undurchsichtiger Vergangenheit und einem morbiden Interesse an Serienkillern. Mit einem echten Mord hatte sie bisher allerdings nie zu tun – bis eine blutende Frau an der Tür ihres Autos lehnt und in Laceys Armen stirbt. Lacey wird zunächst nur als Zeugin vernommen, doch als sich der Täter in einem blutigen Bekennerbrief unmissverständlich an sie wendet, gibt es kein Zweifel, dass Lacey in dem Fall eine ganz besondere Rolle spielt. Unversehens findet sie sich im Mittelpunkt einer Mordserie, die in irgendeinem Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit stehen muss. Doch wie findet man einen Killer, der sich einen nie gefassten Serienmörder zum Vorbild genommen hat?«

 (Cover-, Text- und Zitatrechte: Manhattan / Goldmann Verlage)

HIer gibts nun also Janas Sicht zu »Dunkle Gebte« in ein paar knappen Fragen:

1.Dein Lieblingszitat?

“Ich glaube, was dieses Zimmer braucht, sind ein paar rote Akzente.”

2.  Was hast du nach dem ersten Absatz des Buches gedacht?

“Blätter und Matsch und Gras dämpfen jedes Geräusch, selbst einen Schrei. Das Mädchen weiß das. Kein Laut, den sie von sich geben würde, könnte jemals bis zu den Autoscheinwerfern und den Straßenlaternen einen halben Kilometer weiter dringen, zu den erleuchteten Fenstern der hohen Gebäude, die sie hinter der Mauer gerade noch ausmachen kann. Die nahe Stadt kann ihr nicht helfen, und Schreien kostet nur unnötig Kraft, die zu verschwenden sie sich nicht leisten kann.”

Nach dem ersten Absatz des Buches war ich gespannt, was da mit dem Mädchen los ist – ob sie verfolgt wird von einem Mörder, wovor Sie Angst hat. Ich konnte mir bildlich eine gruselige Situation vorstellen, voller Panik und Verzweiflung, weil Hilfe so nah scheint aber dennoch unerreichbar ist. Außerdem wollte man gleich erfahren, wer das Mädchen es, das Wort “Mädchen” klingt nach einem unschuldigen, verletzbaren Wesen, dem hoffentlich nichts passiert.

3. Wie fandest du die Handlung? Laceys Geschichte und den Fall?

Ich mag Serienkillergeschichten, fand es super, dass auf Jack The Ripper zurückgegriffen wird und die Geschichte von damals auf die heutige kopiert wird. Der Mythos wird neu in Szene gesetzt um von der eigentlichen Handlung abzulenken. Dass Lacey den Weg zur Vergewaltigungs-Truppe der Polizei gefunden hat finde ich zwar gut,weil Sie damit ihre eigene Vergangenheit vergessen möchte, aber ich glaube, dass heutzutage jeder Mensch, der vorallem bei der Polizei arbeiten möchte, etwas besser durchgecheckt wird und mit einer falschen Identität zur Polizei zu gehen, halte ich für recht unmöglich.

4. Wer fandest du die Charaktere Lacey und Joesbury und wie hat sich ihre Beziehung zueinander entwickelt?

Bei Joesbury denkt man von Anfang an “Was für ein Arsch!” Weil Lacey ihn stets ins negative Licht stellt, doch, wie es bei manchen Frauen so ist, sie steht von vornherein total auf ihn. Doch die beiden kommen, auf Grund von Misstrauen, absichtlicher Ignoranz und Dont-Fuck-The-Factory-Gehabe, einfach nicht zu Potte. Dass Lacey ihm zum Ende hin erst sagt, dass Sie ohne ihn nicht leben kann und ihn dann noch nichtmal im Krankenhaus besucht, finde ich bescheuert. Bis auf eine Szene, bei der Lacey sich stolprig an ihn ranschmeisst, wartet sie ständig darauf, dass er den ersten Schritt macht – wo sie doch sonst der Meinung ist jeden Kerl mit Leichtigkeit rum zu bekommen. Das Spiel was sie mit Joesbury spielt ist irgendwie kindisch.

5. Was hat dir gar nicht gefallen, oder was hat dich an dem Buch gestört?

Ab und an wurden Sätze eingeworfen, bei denen man in völlige Verwirrtheit geriet und garnicht wusste, was die Autorin uns mit diesem Satz sagen wollte. Beispielsweise wird gesagt “Sie werden wissen, dass ich die Mörderin bin!” und die Frau packt ihre Sachen und will sich ins Ausland absetzen, die Frage ist nur warum sie sich plötzlich so völlig bescheuert verhält? Es macht absolut keinen Sinn abzuhauen, wenn man nichts für all die Geschehnisse kann, wenn man sogar in der Lage ist, zu helfen, den Fall schneller zu lösen. Aber nein “ich muss hier weg” ist die Reaktion der lieben Lacey.

6. Wie hat dir der Stil des Buches gefallen?

Es ist schön, Details zu erwähnen und zu erzählen, wie was riecht und aussieht und wonach es klingt aber dieses Buch war irgendwie überladen mit Details, so dass man sich manchmal nicht so recht auf das Wesentliche konzentrieren konnte. Ich meine mal als Beispiel, in einem Film wird ja auch nicht erst jeder Winkel eines Zimmers gezeigt, bevor die Personen miteinander kommunizieren oder noch besser währenddessen. Generell fand ich den Stil ganz okay, es hat mich aber leider nicht so sehr mitgerissen, dass ich jetzt wissen müsste, wie es mit der verwirrten Lacey und Ihren Männer- und Fallgeschichten in einem zweiten Buch weiterginge.

7. Wie ist dein Fazit?

Leider nicht so prall. Anfangs fand ich es interessant, auch die Interviews mit den Vergewaltigungsopfern und die nettere Lacey fand ich gut. Doch im Endeffekt finde ich, Lacey hat nicht mehr alle Tassen im Schrank und der Schreibstil hat mich auch nicht so mitgerissen, mir fehlte die Spannung und an manchen Stellen hab ich auch mal die Augen verdreht.

Links:

Hier geht es zu meiner Rezension: »Dunkle Gebete« von Sharon Bolton →

Hier geht es zur Übersicht: Zwei lesen »Dunkle Gebete« von Sharon Bolton →

 

Rezension: »Narbenkind« von Erik Axl Sund

Narbenkind von Erik Axl Sund

Sterne_4_klein

Ein Geschäftsmann wird brutal ermordet. Jeanette Kihlberg ermittelt mithilfe der Psychologin Sofia. Doch wer ist Sofia wirklich?

Jeanette Kihlbergs Ermittlungen in einer Mordserie an Jungen in Stockholm werden vorübergehend auf Eis gelegt, als ein ranghoher Geschäftsmann auf bestialische Weise getötet wird. Man geht von einem Racheakt aus – doch Rache wofür? Psychologin Sofia Zetterlund soll ein Täterprofil erstellen, aber dann geschehen weitere Morde. Und diese scheinen in Verbindung mit Victoria Bergman zu stehen. Während die Ermittlungen nach Dänemark führen, hat Sofia immer häufiger Bewusstseinsstörungen …

 (Cover-, Text- und Zitatrechte: Goldmann Verlag)

Meine Meinung

Handlung

Die Geschichte des Krähenmädchens geht dort weiter wo Band eins endete: die brutalen Ermordungen von unbekannten Flüchtlingskindern sind weiter unaufgeklärt, verschiedene Morde und Tode passieren und immer mehr wird man in den Strom der Verschwörungen und Mutmaßungen hineingezogen. Die Ermittlerin Jeanette Kihlberg kann immer mehr Hinweise zusammen tragen, doch das Geflecht der Morde scheint sich immer weiter auszudehnen. Der gemeinsame Nenner bleibt bisher offen, nur was hat die Schule in Sigtuna mit all dem zu tun? Eine von vielen Fragen die Jeanette nach geht, während ihr Privatleben in Scherben liegt. Ihr Mann hat sie für eine junge Kunstagentin verlassen, sie ärgert sich über seine Verantwortungslosigkeit ihrem Sohn gegenüber. Ihr Sohn distanziert sich nach der Entführung von ihr und finanziell sieht es auch nicht rosig aus, nur die Psychologin Sofia Zetterlund gibt ihr etwas Halt. Sie hat sie im Zusammenhang mit einem der Mordfälle, an dem sie arbeitet, kennengelernt und fühlt eine Anziehung die sie bisher nicht kannte. Sie bittet Sofia ein Täterprofil für die Morde an den Flüchtlingskindern zu entwickeln und erhofft sich dadurch neue Anhaltspunkte zu gewinnen.

Konflikte

Steffi und ich haben in gemeinsam das Buch »Narbenkind« von Erik Axl Sund gelesen, auch wenn sich der Anfang etwas zieht ist das Buch insgesamt spannend und wie auch der erste Teil schockierend und verstörend, ekelhaft und grausam, aber irgendwie kommt man nicht umhin, dann doch weiter zu lesen. Leider empfand ich das zweite Buch der Trilogie etwas naja, ich will nicht sagen sinnlos, es hat natürlich Victorias Geschichte fortgeführt, doch hat sich der eigene Schwerpunkt erst sehr sehr spät in der Handlung herauskristallisiert. Vieles war aus dem ersten Teil bekannt und wurde nur vertieft, anderes war neu, aber nur kurz angerissen. Ein Beispiel ist die Beziehung zwischen Jeanette Kiehlberg und Sofia Zetterlund. Die beiden Frauen die sich näher kommen, und sich zueinander hin gezogen fühlen. Der Knackpunkt ist: Am Ende des ersten Bandes wird klar Sofia ist Victoria, aber Jeanette die Sofia persönlich kennt und mit Victoria telefoniert hat, weiss nicht, dass es sich um ein und die selbe Person handelt, am Anfang des zweiten Bandes spitzt sich dieser Konflikt zu, da Jeanette Victoria unbedingt auf Grund ihrer Ermittlungen als Polizistin verhören muss. Ich dachte da „oh jetzt knallt es und die Wahrheit kommt raus“, aber nein, das wird dann schön das ganze Buch lang gezogen und wird wohl erst im dritten Band aufgelöst. Ich finde auch die ganze Beziehung zwischen den beiden irgendwie unlogisch. Die beiden kennen sich kaum. Sofia verhält sich ganz schön seltsam ab und an und wechselt ihre Stimmung vollkommen abrupt, und Jeanette, die als Polizistin eine ganz gute Menschenkenntnis haben sollte, ignoriert das alles völlig.

Ein anderes Beispiel ist Sofias Entwicklung. Im ersten Band ist es noch ziemlich neblig um Sofia und Victoria, zu beginn scheint es als ob Victoria eine Patientin ist, das klärt sich jedoch auf und nicht nur das Sofia bzw. Victoria sind eine Person und vereinen noch andere Persönlichkeiten in sich. Sofia hat Blackouts, weiß manchmal nicht was sie gemacht hat, kommt mit schlammigen Schuhen nach Hause… doch im zweiten Band entwickelt sich Sofias Person kaum weiter, es scheint als begreife sie immer mehr, wer sie ist und dass sie mehrere Persönlichkeiten vereint, doch diese Entwicklung hängt irgendwie in der Schwebe, es resultiert keine Spannung draus.

Dann noch Johanns Verschwinden, zu Beginn des Buches, er verschwindet, redet nicht darüber und irgendwie versickert das einfach so im nichts. Mir scheint im zweiten band versickert so einiges. Ganz enorm ist mir das bei den entführten Flüchtlingskindern aus dem ersten Teil aufgefallen. Jeanette und ihr Kollege Hurtig beschließen auf eigene Faust weiter zu ermitteln, nachdem ihr von dem Polizeichef mitgeteilt wurde, dass die Ermittlung aus finanziellen Gründen nicht weitergeführt werden soll. Und dann?! Ja das habe ich mich dann gefragt. Irgendwie sind die Ermordungen der Kinder mit der Handlung verknüpft, aber plötzlich endet die Mordserie. Warum wird nicht verraten. Aber ist das logisch? Wird ein Serientäter aus dem nichts mit dem Morden aufhören? Und dann versickern auch die Bemühungen von Jeanette. Ich bin mal gespannt ob im dritten Teil endlich ein paar Fragen geklärt werden.

Fünf fragen, fünf Antworten

Ich habe Narbenkind gemeinsam mit meiner Freundin Steffi als Aktion »Zwei Lesen…« gelesen und wir haben fünf kurze Fragen kurz und knackig beantwortet, die unsere Meinung zu dem Buch wiederspiegeln.

1.       Deine Kurzmeinung in ein paar Sätzen.

Steffi – Ich bin positiv überrascht das die Geschichte so umgeschwungen ist. Man ist gespannt und fiebert mit.

Ich bin begeistert von den Büchern und werde sie auf jedenfall weiter empfehlen.Spannend fesselnd und ekelig zu gleich.

Jamie – „fesselnd und ekelig zu gleich“ ist wirklich das Stichwort. Man muss weiter lesen, auch wenn die Handlung echt heftig ist (brutale Morde an Kindern, durchaus auch exakt beschrieben, Vergewaltigungen, Kinderschändung, und echt fiese Menschen).

2.      Was denkst du nach dem zweiten Band über das „Krähenmädchen“?

Steffi – Ich habe das Gefühl das Krähenmädchen hat sehr viel hass in sich. Sehr viel negatives erlebt. So krass wie es sich verhält und die Morde wie sie begangen werden. Ich bin gespannt wer es ist. Hatte so eine Ahnung aber die ist im zweiten Band Total verflogen.

Jamie – Die Frage wer das Krähenmädchen ist, ist natürlich ein zentraler Knackpunkt an dem Buch, eine zentrale Frage, die die Spannung aufrecht erhält. Ich finde die Autoren verwirren einen da ganz schön. Mal leiten sie einen in die Richtung, dann passt wieder etwas nicht zu dieser These und anderes kommt in Betracht. Ich muss sagen, da haben die Autoren schon etwas dick aufgetragen auch wenn es durchaus echt spannend ist. Am Ende des zweiten Bandes war ich wirklich hin und her gerissen.

3.      Welcher Charakter hat von dir die meisten Sympathiepunkte kassiert, welcher hat mager abgeschnitten?

Steffi – Ich bin ein Fan von Jeanette und Hurtig. Ich hoffe daraus wird am ende noch eine kleine Liebesgeschichte :) <3

Sofia finde ich auch sensationell. Wie beschrieben wird wie sie in den verschiedenen Rollen lebt und der Konflikt.

Wenn ich gar nicht mag ist Ake der sich komplett aus seiner verantwortung zieht. Mein Hasspunkt liegt aber mehr bei Staatsanwalt von Kwist..so ein arroganter selbstverliebter kotzbrocken

Jamie – ich finde Sofia gar nicht so sympathisch, sie ist mir total suspekt und ich finde auch Jeanettes verhalten ihr gegenüber zu vertrauensseelig, insbesondere weil sie Polizistin ist, aber vielleicht bin ich ja nur paranoid ^^

Ich mag auch Jeanette und Hurtig sehr gerne, besonders Hurtig macht auch einen sehr netten Eindruck, weil er stehts bemüht wirkt wenn es um Jeanette geht und das nicht nur weil sie sein Boss ist, auch weil er sich denke ich menschlich und freundschaftlich um sie sorgt, bin gespannt wie sich das noch entwickelt, eine Liebesgeschichte zwischen den beiden kann ich mir aber nicht so recht vorstellen. :D

Ake, Jeanettes baldiger Ex-Mann ist bei mir auch auf der roten Liste. Er ist verantwortungslos, benimmt sich total mies gegenüber Jeanette und macht nicht grade den Eindruck als ob sein Sohn für ihn im Mittelpunkt steht.

Interessant finde ich noch den Rechtsmediziner Ivo Andric. Bin gespannt ob er im nächsten Teil evtl. noch eine wichtige Rolle spielt.

4.      Welche Kritik hast du an das Buch? Gab es Stellen, Handlungen oder logische Aspekte die du unrealistisch, nicht authentisch oder schlecht fandest?

Steffi – Eigentlich nicht. Ich habe nur manchmal schwierigkeiten mich da reinzudenken wenn es um Sofia und ihre verschiedenen Persönlichkeiten geht.

Es ist verwirrend.

Jamie – Meine Kritikpunkte habe ich oben ja bereits gennant: Ich denke manche Teile wirken einfach zu konstruiert und Figuren verhalten sich teilweise seltsam. Außerdem verlieren sich manche Aspekte einfach im Nichts.

5.      Nachdem du Band 2 von 3 beendet hast, willst du nun auch das Ende der Trilogie lesen?

Steffi Oh ja unbedingt :) bin schon ganz gefesselt und gespannt auf die Lösung :)

Jamie – Auch wenn ich Band zwei weniger gut fand als Band eins, werde ich um das Ende dieser Trilogie nicht drum herum kommen, jetzt will ich doch Antworten auf all meine Fragen!

Fazit

Auf der einen Seite finde ich, dass Buch ist ein Lückenfüller zwischen Band 1 und das was wohl noch in Band 3 kommen wird. Viele lose Enden der Handlung verlieren sich, manches ist irgendwie nicht ganz stimmig oder unlogisch und man wird vor immer neue Fragen gestellt, mit nur wenigen Antworten. Ich finde dass macht das lesen ein wenig frustrieren. Auf der anderen Seite erreicht das Buch leider wirklich was es soll: Ich will jetzt auch unbedingt Band 3 lesen und Antworten bekommen! Ich schreibe leider, weil die Autoren oder der Verlag ja auch einfach hätten zwei Bücher draus machen können, also ist das Buch jetzt nur Geldmacherei oder die Einleitung zu einem furiosen Finale? Noch weiß ich es nicht, da ich Band 3 noch nicht gelesen habe, sollte es ein tolles Finale geben, dann kann ich sagen man sollte Band 2 auch unbedingt lesen, denn mir kribbelt es schon in den Fingern weiter zu lesen und endlich zu entdecken was da eigentlich los ist beim Krähenmädchen! Und genau deshalb kann das Buch nicht ganz so schlecht sein. Noch eins: Das ende des zweiten Teils ist echt ein ganz schöner Hammer! :D

 

Bewertung

Kategorie

Punkte

Charaktere 4 von 6
Idee 3 von 4
Handlung 4 von 6
Spannung 2 von 4
Sprache 2 von 2
Kontext 2 von 4
Cover 2 von 2
Gesamt: 19 von 28

19 Punkte = 4 Sterne

 

Buchdetails / Reiheninfo Victroia Bergmann Trilogie

 

krähenmädchen_klein
Band 1 – »Krähenmädchen«

Originaltitel: »Kråkflickan«
Verlag: Goldmann Verlag (2014)
Flexibler Einband: 480 Seiten
ISBN: 978-3-442-48117-0
Preis: 12,99 €

Verlagsseite →

 

Narbenkind von Erik Axl Sund
Band 2 – »Narbenkind«

Originaltitel: »Hungerelden«
Verlag: Goldmann Verlag (2014)
Flexibler Einband: 512 Seiten
ISBN: 978-3-442-48118-7
Preis: 12,99 €

Verlagsseite →

 

Schattenschrei von Erik Axl Sund
Band 3 – »Schattenschrei«

Originaltitel: »Pythians anvisningar«
Verlag: Goldmann Verlag (2014)
Flexibler Einband: 448 Seiten
ISBN: 978-3-442-48119-4
Preis: 12,99 €

Verlagsseite →

 

 

© Blutrot – Jamie’s Bücherblog

 

Rezension: »Ein ganzes halbes Jahr« von Jojo Moyes

moyesErdbeereZwei Lesen… »Ein ganzes halbes Jahr« von Jojo Moyes ist beendet und hat mir sehr viel Freude gemacht! Ich habe das Buch zusammen mit meiner Freundin Danny (dtnbx →) gelesen und wir haben es beide regelrecht verschlungen! Eigentlich wollten wir eine Leserunde mit allem drum und dran machen: Aufgaben, kapitelweisen Besprechungen und was es sonst noch gibt (Wir haben sogar Mind Maps erstellt und gemeinsam gebrainstormt!), aber das Buch war so spannend und fesselnd und mitreißend und wunderbar gefühlvoll, dass wir uns einfach nicht beherrschen konnten!

Ich hatte das Buch schon eine Weile im Blick, da es ja in diversen Medien ziemlich angeprisen wurde, aber bisher hatte ich gar nicht so den Reiz verspürt das Buch zu lesen, ich hatte es mir eher für irgendwann einmal aufgeschrieben. Als ich dann mit Danny ein Buch lesen wollte, sind wir dann genau auf dieses Buch gestoßen und ich bereue es nicht!

Ich fand es toll mit einer Freundin, dieses Buch zu lesen, denn es ist super wenn man jemandem vorschwärmen oder jemanden vollheulen kann – je nachdem – und sich einfach über so ein tolles Buch austauschen kann. Ich hoffe doch, dass Danny noch mal Lust hat ein Buch mit mir zusammen zu lesen!

Moyes_Ein_ganzes_halbes_Jahr_gross

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt.
Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann.

Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

(Cover-, Text- und Zitatrechte: Rowohlt Verlag)

Dieses Mal will ich die Runde Zwei lesen… »Ein ganzes halbes Jahr« nicht mit einer klassischen Rezension beenden sondern mit fünf Fragen die ich Danny gestellt habe und fünf Fragen die Danny mir gestellt hat. Dannys Fragen und meine Antworten findet ihr in diesem Beitrag und andersherum – meine Fragen und Dannys Antworten – veröffentlicht Danny auf ihrem Blog.

Fünf Fragen – Fünf Antworten

1. Man soll Beziehungen zwar nicht miteinander vergleichen, denn jede ist anders, aber: Wie unterscheidet sich die Beziehung zwischen Lou und Patrick zu der von Lou und Will?

Zu erste einmal, Patrick kann ich ja mal gar nicht leiden! :D Die Beziehung von Lou und Patrick ist geprägt von Routine, sie leben aneinander vorbei und haben kaum noch gemeinsame Interessen, geschweige denn Interesse aneinander. Ich denke in den sieben Jahre Beziehung, die sie zusammen sind, haben sich Lou und Patrick stark voneinander weg entwickelt, bzw. Patrick hat sich von Lou entfernt, denn so wie es beschrieben wurde, hatte Lou sich bis dato nie wirklich Gedanken gemacht, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Für sie war das eine klare Sache: Im Café arbeiten, Patrick heiraten und ein oder zwei Kinder bekommen. Ihre Familie und auch Patrick haben sie stets auf ihre Mängel hingewiesen, aber nie den Versuch unternommen sie zu fordern über ihren Horizont zu schauen. Lou denkt selber darüber nach, dass sie den „alten“ Patrick, der etwas faul und mollig war, der aber Zeit für sie hatte, lieber hatte als den „neuen“ Patrick, der sein ganzes Leben seinem Sport widmet und für den Lou eigentlich nur noch eine geringe Rolle spielt. Genauso ist es nun auch für Lou, sie kann eigentlich gar nichts mehr mit Patrick anfangen, nur die Gewohnheit hält sie zusammen.

Als sie Will kennen lernt, lernt sie gleichzeitig eine vielfältig andere Welt kennen. Abgesehen davon, dass Will aus einer sehr wohlhabenden Familie kommt, deren finanzielle Mittel es ihm erlaubt haben, zu tun und lassen was er will, ist Will auch selbst ein ehrgeiziger Mensch gewesen, der gerne Abenteuer erlebt hat, sich stets neuen Herausforderungen gestellt hat, sowohl privat und zum Vergnügen, wie auch beruflich. Er hat die Welt entdeckt und bereist und das Leben gelebt, das er sich selber gewünscht hat. Nun sitzt er im Rollstuhl, ist vom Hals abwärts gelähmt und ist festgekettet in seinem Geburtsort und dennoch ist er es, der Lou dazu bringt Neues zu entdecken, der sie fordert und nicht damit durch kommen lässt, sich auf der Meinung anderer auszuruhen. Ich finde die Beziehung zwischen den beiden wunderbar und süß. :3

2. Inwiefern hat sich deine Ansicht zu Wills Charakter im Laufe des Buches geändert?

Ganz zu Beginn des Buches wird von Wills Leben in London erzählt. Er ist erfolgreich im Job, hat eine tolle Wohnung, macht super Urlaub. Er ist mit einer hübschen Frau zusammen. Alles scheint perfekt, sagt aber im Grunde wenig über Wills Charakter aus. Ist er ein reicher Schnösel? Oder wirklich ein ehrgeiziger, abenteuerlustiger, junger Mensch? Hat sein Leben Tiefgang oder ist es von Familie und Geld vorbestimmt?

Dann passiert der Unfall und Wills Welt wird auf den Kopf gestellt. Von einer Sekunde auf die andere wird er zum Pflegefall, kann sich nicht mehr selber ernähren, waschen, anziehen oder gar verreisen. Erst hier zeigt sich meiner Meinung nach Wills Charakter, wenn auch der Unfall ihn verändert haben mag. Er ist zynisch und sarkastisch, schlecht gelaunt und oft griesgrämig, aber kann man es ihm verübeln? Ich glaube was er am meisten vermisst und was ihn am meisten ausmacht, ist sein Mut und sein Wille Grenzen auszuprobieren, Abenteuer zu erleben, die Welt erkunden zu wollen und Neues kennen zu lernen und grade das ist es, was der Unfall ihm genommen hat und weshalb er seinen Zustand als Tetraplegiker nicht akzeptieren kann. Meine Ansicht hat sich insofern geändert, als das ich Will vielleicht nach und nach etwas mehr verstehen konnte. Etwas mehr nachvollziehen konnte. Am Anfang dachte ich mir, es muss doch einen Weg geben jemandem das Leben wieder schmackhaft zu machen, aber später dachte ich mir, wessen Entscheidung ist es eigentlich zu bestimmen, ob das Leben für jemanden noch schmackhaft ist?

3. Was denkst du über Wills Einstellung?

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, ich würde genauso denken! Ich kann mir nicht vorstellen wie es sein muss vom Hals abwärts gelähmt zu sein, von Heute auf Morgen sieht dein Leben ganz anders aus und bei einfachsten Tätigkeiten brauchst du plötzlich Hilfe. Dazu kommen auch noch die Schmerzen, Anfälligkeiten für Krankheiten, usw. Ich denke in so einer Situation, würde ich auch den Mut bzw. den Willen verlieren weiter zu leben. Ich denke Wills Entscheidung Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen ist durchaus berechtigt, so schlimm es auch für die Angehörigen sein mag. Weiterhin glaube ich, dass das ständige bevormundet werden Wills Situation und seine Gedanken bestärken. Er wird abgestellt vor dem TV, weil er das ja zu mögen scheint, ihm wird empfohlen was er zu tun und zu lassen hat, er soll kaum noch eigene Entscheidungen treffen, doch dieser letzte Entschluss, sein Leben zu beenden, ist ein letzter Akt seines eigenen Willens.Trotzdem sollte man eine Weile damit Leben um sicher zu sein und nicht aus dem Affekt heraus so eine Entscheidung zu treffen.

4. Was hat dir an dem Buch am Besten gefallen?

Schwer zu sagen, was mir am Besten gefallen hat, denn das Buch hat wirklich viele Aspekte die berühren und bewegen! Wills Unfall ist eine wirklich schlimme Sache und gar nicht Mal unrealistisch. Will wird von einem Motorradfahrer erwischt, erleidet eine Wirbelsäulenverletzung und ist seither ab dem Hals abwärts gelähmt. Wie oft passiert so ein Unfall wohl? Wie oft am Tag wird ein Leben umgekrempelt und eine Familie erschüttert? Aber trotz dieses Themas ist das Buch wirklich schön und ich finde besonders Wills und Lous Beziehung am aller schönsten und das Detail, dass sie sich auf macht einem Fremden den Lebenswillen wieder zu geben. Mich hat das Buch ein bisschen an den Film „Ziemlich beste Freunde“ erinnert, in dem der Pflegehelfer Driss dem Tetraplegiker Philippe mit seiner unverblümten und direkten Art neuen Lebensmut gibt.

Auch in „Ein ganzes halbes Jahr“ macht es sich Lou zur Aufgabe Will von seinem Plan abzubringen sich das Leben zu nehmen und ihm neuen Mut zu machen. Eine Stelle gefällt mir dabei am besten. Es ist Lous erster Versuch Will aus seinen vier Wänden zu bekommen: Lou organisiert ein Besuch beim Pferderennen. Ein wohlhabender junger Mann wie Will muss schließlich Pferderennen mögen! Beim Ausflug dann geht jedoch so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Der Rollstuhl bleibt im Matsch stecken, es regnet und sie lassen sie nicht ins Restaurant, weil sie nicht das richtige erste Klasse Ticket haben. Erst danach merkt Lou, was sie falsch gemacht hat: Sie hat Will nicht nach seiner Meinung gefragt. Sie hat ihn bevormundet, genau wie alle anderen. Es kommt zum Streit und sie merkt, was eigentlich Sache ist in Wills jetzigem Leben. An diesem Punkt, denke ich, beginnt sie ihn zu verstehen. Es war toll beim Lesen zu merken, wie sich die Beziehung der beiden ganz langsam und zart entwickelt und entfaltet.

5. Wie war dir zumute als du die letzte Seite gelesen und das Buch zugeklappt hast?

Als ich das Buch beendet hatte, hatte ich ganz schön Tränen in den Augen! Ich musste mich wirklich zusammen reißen nicht los zu weinen. Es war traurig und bittersüß, wie ich es eigentlich erwartet hatte und ich bin sehr zufrieden, dass das Buch dieses traurige aber perfekte Ende hatte. Perfekt ist jetzt etwas seltsam ausgedrückt in Anbetracht der Umstände, aber was ich meine ist, dass das Buch so schön und so authentisch war, dass ein völlig überzogenes, kitschiges Happy End wohl der bisherigen Handlung nicht gerecht werden würde. Es war herzzerreißend und traurig und schön. Ich habe mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Buch zurück geschaut.

Links

Hier geht’s zur Verlagsseite: »Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes« →

Und ganz wichtig:

Hier findet ihr Dannys Beitrag auf ihrem Blog: dtnbx – Ein Blog über Essen, Alltag & alles Mögliche ♥

 

© Blutrot – Jamie’s Bücherblog 2015

 

1 2 3