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Rezension: »Wir sind Cyborgs« von Alexander Krützfeldt

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„Wenn wir als Spezies überleben wollen, dann müssen wir anfangen, in neue Richtungen zu gehen.“ Tim Cannon, Grindhouse Wetware, U.S.A.
Nie war die Bindung zwischen Mensch und Maschine enger als jetzt. Schon bald werden Bauarbeiter mit Exo-Skeletten riesige Stahlträger in die Höhe wuchten, per Chip werden Nervenleiden einfach ausgeschaltet und Haustüren geöffnet werden. Schon bald könnten wir perfekt, schon bald könnten wir Cyborgs sein.
Die schöne neue Welt – ist sie wirklich so nah? Und wollen wir sie überhaupt?
Alexander Krützfeldt trifft die wichtigsten Cyborg-Pioniere und zeichnet ein Panorama von großen Hoffnungen und berechtigten Ängsten.

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Blumenbar / Aufbau Verlag)

Meine Meinung

Cyborg? Was ist das eigentlich? Es ist eine Vermischung zwischen Mensch und Maschine, aber wie wird das eigentlich definiert? Ist ein Mensch mit Hörgerät oder Herzschrittmacher, bereits ein Cyborg? Oder reicht schon das Smartphone, das unser täglicher Begleiter ist? Dies sind ein paar der spannenden Fragen denen sich der Autor Alexander Krützfeldt in seinem Sachbuch „Wir sind Cyborgs“ widmet.

Alexander Krützfeldt, studierter Journalist, schildert in seinem Buch wie er an das Thema Cyborgs herangegangen ist und seine ersten Begegnungen mit selbsternannten Cyborgs, die sich nicht davor scheuen sich Technik sogar implantieren zu lassen. Er interviewt Wissenschaftler, die an Mensch-Maschine-Interaktion forschen, Bastler, Geschäftsleute, Menschen, die aus der Body Modification Scene stammen, Professoren, Psychologen und natürlich die Cyborgs und viele mehr und schafft so ein sehr umfassendes Bild, vom heutigen Stand der Cyborg-Technik. Das Buch ist in meinen Augen absolut nicht parteiisch. Alexander Krützfeldt hat seine Interviewpartner sehr vielfältig ausgewählt (was mich echt beeindruckt hat!), so dass ich als Leser viele verschiedene Blickwinkel auf dieses Thema erhaschen konnte. In diesem recht schmalen Buch mit rund 190 Seiten kann dieses Thema sicherlich nicht vollständig diskutiert werden, doch es regt zum Nachdenken an. Völlig verschiedene, teils sehr positive, aufgeschlossene, neugierige Sichtweisen, stehen pessimistischen Sichtweisen, die in der Cyborg-Technik eine Bedrohung oder zumindest Gefahren sehen gegenüber.

Zwei Seiten der Medaille

Cyborg-Technik, oder Technik im Allgemeinen, hat immer zwei Seiten. Die eine bietet wahnsinnig viele neue, tolle, aufregende Möglichkeiten. Sei es um blinde Menschen ihr Augenlicht zurück zu geben, oder auch Exoskelette, mit denen man super stark wird und schwere Lasten mühelos tragen kann oder Gadgets mit denen man „Superheldenfähigkeiten“ bekommen kann. Die dunkle Seite der Geschichte ist, dass uns die Technik auch überholen könnte. Superintelligente PCs die uns unterjochen, wie in düsteren Science Fiction Geschichten schon vielfach thematisiert, oder das Militär greift scheinbar friedliche Technik auf und baut daraus noch verheerendere Waffen.

Wie man den technischen Fortschritt für sich selber einordnen möchte, muss jeder für sich selber entscheiden, aber aufzuhalten ist er sicherlich nicht. Ich persönlich bin aufgeregt, welche Innovationen in der Zukunft noch auf uns warten.

Wo liegt die Grenze zwischen Mensch und Roboter?

Absolut spannend fand ich die Frage: Wo liegt die Grenze zwischen Mensch und Roboter? wann wird ein Mensch zum Roboter und wann ein Roboter zum Menschen. Wenn der Roboter äußerlich und von seinem Verhalten so nah an den Menschen herankommt, dass er zum Verwechseln ähnlich ist, wenn er emotional zu sein scheint, wird er dann zum  Mensch?

Auch habe ich viel Neues erfahren, z.B. die „technische Singularität“. Der Zeitpunkt an dem die künstliche Intelligenz klüger ist als der Mensch, sich selbst weiterentwickelt und den Menschen nicht mehr braucht. Wahnsinnige und gruselige Vorstellung. Wahrscheinlich dauert es noch einige Zeit, wenn es denn überhaupt dazu kommen wird, aber hey alles ist möglich und darüber nachdenken sollte man mal gemacht haben.

Fazit

In »Wir sind Cyborgs« greift Alexander Krützfeldt ein echt cooles und aktuelles und zugleich auch beängstigendes Thema auf und berichtet von spannenden Menschen und spannenden Ideen und Visionen, was alles möglich sein könnte und im – mehr oder weniger – geheimen schön möglich ist. Es beschreibt den technischen Fortschritt, aber auch Gefahren und philosophische Fragen, die man sich in Zusammenhang mit Cyborgs und Robotern stellen muss. Ein überaus gelungenes, spannendes Buch, das viele Sichtweisen aufzeigt und viele Ansatzpunkte zum nachdenken liefert.

 

Buchdetails

Eine Leseprobe gibt es hier →

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Verlag: Blumenbar / Aufbau Verlag (2015)
ISBN: 978-3-351-05024-5
Preis: 15,00€, 192 Seiten

Verlagsseite →

 

 

 

 

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