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Rezension: »Flammenbrut« von Simon Beckett

Mein Feuer wird dich verbrennen.
Die junge Geschäftsfrau Kate Powell steht mit beiden Beinen erfolgreich im Leben. Allein ihr sehnlichster Wunsch blieb bisher unerfüllt: ein Kind. Ein anonymer Spender kommt für Kate nicht in Frage. Also gibt sie eine Annonce auf, um einen geeigneten Vater zu finden. Alex Turner scheint der perfekte Kandidat …

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Rowohlt / rororo Verlag)

Meine Meinung

Nachdem ich die ersten vier Bände der David-Hunter-Reihe von Simon Beckett gelesen habe und wahnsinnig spannend fand, bin ich mit einigermaßen großen Erwartungen an »Flammenbrut« heran gegangen. Eigentlich kein guter Start in ein neues Buch. Mein erster Eindruck nach den ersten Seiten war dann recht ernüchternd. Von Spannung keine Spur. Im Gegenteil ist die Geschichte seicht dahin geplätschert.

Kate, eher klischeehaft als sympathisch

Kate Powell ist jung, hübsch und erfolgreich in ihrem Job, doch abseits dessen sieht es eher düster aus. Kate ist privat unheimlich unsicher, inbesondere in Bezug auf Männer. Nachdem ihre letzte Beziehung vor Jahren in die Brüche gegangen ist, verhält sie sich absolut passiv, unsicher fast schon selbstzerstörerisch, wenn ihr Ex-Freund auch nur in ihrer Gedankenwelt auftaucht, geschweige denn ihr über den Weg läuft. Familienplanung scheint für sie kein Thema zu sein.

Doch das ändert sich (dann ganz urplötzlich!) als ihre beste Freundin Lucy ihr nahelegt sesshaft zu werden, denn wer könne schon auf Familie, Kinder, Haus und Garten verzichten? Mir war dieser Sinneswandel viel zu abrupt und unlogisch. Von einem  „sehnlichsten Wunsch“ war bis dato keine Rede und es hat eher den Anschein gemacht als ob Kate sich mehr schlecht als Recht mit dem Gedanken anfreunden kann. Mehr scheint es als ob Lucy sie in eine Rolle drängt in der Kate sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gesehen hat.

Lucy, ewige Nörglerin

Nachdem Kate sich als eher klischeehafter Charakter herausgestellt hat, wird mehr über Lucy, ihre beste Freundin bekannt. Lucy ist Mutter, Ehefrau und ewige Nörglerin, wie mir scheint. Lange habe ich kein Buch mehr gelesen in dem ein Charakter mir so zuwider war. Jedes einzelne Gespräch zwischen Lucy und Kate war voller Zweifel, Anschuldigungen und Kritik seitens Lucy gegenüber Kate. Lucy weiss alles besser, besonders wie Kate ihr Leben führen sollte.

ab der Mitte züngelt das Feuer

Nun nach gefühlt der Hälfte des Buches kommt der ominöse Vater ins Spiel. Der Vater für Kates Wunschkind. Doch auch als die Handlung ein wenig an Fahrt aufnimmt ist es immer noch eher ein lauwarmes Geplänkel, als ein mitreißender Pageturner. Es passiert wahnsinnig wenig, die Ausführungen wie Kate einen Samenspender sucht, wie sie sich über künstliche Befruchtung beraten lässt und wie sie mit Lucy darüber streitet nehmen in meinen Augen einen viel zu großen Teil ein.

Fazit

Leider muss ich sagen, dass »Flammenbrut« reichlich enttäuschend war. Die Charaktere sind eher flach und vorhersehbar, die Handlung dreht sich mehr um die Fürs- und Wieders der künstlichen Befruchtung als dass sie mit Biss und Spannung aufwartet. Die Entwicklung innerhalb des Buches ist teils Sprunghaft teils zäh. Ich habe mir von dem Buch mehr erhofft, bin jedoch mit der Geschichte und den Charakteren nicht warm geworden.

Buchdetails / Reiheninfo

 

Verlag: Rowohlt / rororo Verlag (01. August 2009)
ISBN: 978-3-499-24916-7
Preis: TB 9,99 € , 400 Seiten

Homepage →

 

 

 

Meine Rezension ist auch auf lovelybooks.de verfügbar! Schaut rein ♥

© Edge of the wild – 2018

 

 

Rezension: »The Dry« von Jane Harper

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Inhalt

Ein beklemmender Thriller um Heimat, Loyalität und Vergebung.
Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten lastet wie heißes Blei auf dem ländlichen Städtchen Kiewarra mitten im Nirgendwo. Das Vieh der Farmer stirbt, die Menschen fürchten um ihre Existenz.
Als Luke Hadler, seine Frau und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden werden, glauben alle, dass der Farmer durchgedreht ist und erweiterten Suizid begangen hat. Aber Sergeant Raco hat seine Zweifel.
Aaron Falk kehrt nach zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Kiewarra zurück – zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke. Bald brechen alte Wunden wieder auf; das Misstrauen wirft seine langen Schatten auf die Kleinstadt. Und in der Hitze steigt der Druck immer mehr…

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Rowohlt Polaris Verlag )

© Nicholas Purcell

© Nicholas Purcell

Die Autorin: Jane Harper

Jane Harper ist Journalistin und Autorin. Sie wurde in Großbritannien geboren, zog dann im Alter von acht Jahren nach Australien. Ihre Studienzeit verbrachte sie wiederrum in England. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Melbourne und arbeitet dort für den Herald Sun. »The Dry« ist ihr erster Roman.

Mehr über Jane Harper könnt ihr auf ihrer Website erfahren →

Meine Meinung

Weniger Dürre als erwartet, aber eine sehr knusprige Atmosphäre!

»The Dry« ist ein Buch über Heimat und Freundschaft. Aaron Falk kehrt nach rund zwanzig Jahren in seine Heimatstatt Kiewarra zurück. Der Anlass ist ziemlich erschütternd. Sein damals bester Freund, Luke Hadler, dessen Frau und Kind werden erschossen vorgefunden und alles deutet darauf hin, dass Luke es war, der seine Familie ausgelöscht hat. Aaron wird von Lukes Vater gebeten nach Kiewarra zurück zu kehren. Da Falk bei der Polizei tätig ist, schließt er sich kurzentschlossen dem hiesigen Polizeichef (mir ist grade entfallen wie man die Polizisten in Australien nennt, Sheriff vielleicht?) an und versucht heraus zu finden was geschehen sein könnte.

Doch nicht nur der Umstand, dass er einst mit dem Mutmaßlichen Mörder befreundet war hält ihn in Kiewarra sondern auch ein dunkles Geheimnis. Die Leiche in seinem Keller, wie man so schön sagt, überwiegt die Abneigung zurück an diesem Ort zu sein.

Heimat & Freundschaft

»Luke hat gelogen. Du hast gelogen« Seite 13

Kiewarra, der fiktive Ort in dem »The Dry« angesiedelt ist, ist ein winziger Ort irgendwo im Nirgendwo in Australien. Kiewarra lebt von der Landwirtschaft, doch diese wird immer magerer durch die Dürre. Jeder kennt jeden, jeder hört Geschichten, Klatsch und Tratsch verbreitet sich schnell beim Bierchen in der zentralen Kneipe. Ein Mord ist etwas Unfassbares für so einen Ort, doch wenn ein Mann seine Familie und sich selbst umbringt ist das kaum auszuhalten für eine solch kleine Gemeinde. Das Buch beschreibt diese hitzige, aggressive Atmosphäre wirklich ziemlich gut. Ich konnte mir die aufgebrachten Gemüter vor meinem inneren Auge vorstellen. Falk, der vor zwanzig Jahren nicht grundlos weggezogen ist, wird nicht sonderlich herzlich begrüßt bei seiner Ankunft. Es wird gemunkelt, dass er an dem Tot einer Schülerin und Freundin von ihm beteiligt war. Kiewarra ist seine Heimat und andererseits ist es ihm so fremd und so feindlich gesonnen wie nie zu vor. Und auch Luke, sein Freund, mit dem er Jahre seiner Kindheit verbracht hat ist ihm fremder als je zu vor.

Der Roman wird vom Verlag als »Ein beklemmender Thriller um Heimat, Loyalität und Vergebung.« betitelt. Diese Zusammenfassung finde ich ist ausnehmend passend, ich habe es genauso empfunden.

Die Dürre

Nach dem Titel und der Buchbeschreibung zu schließen war ich in Erwartung, dass die Dürre eine zentrale Rolle in der Handlung spielt. Auf der einen Seite trifft dies auch zu, auf der anderen Seite hätte die Handlung auch in einem ganz anderen Setting funktioniert. Die Dürre ist insgesamt weniger präsent als ich angenommen hatte, es wird häufig beschrieben wie heiß es ist und wie die Dürre den Farmern schadet etc. doch auch andere Umstände hätten zu diesem Ergebnis geführt. Sehr attraktiv fand ich, dass das Buch in Australien spielt, ich weiß gar nicht ob ich überhaupt schon einmal ein Buch gelesen habe, welches in Australien spielt!

»Natürlich war der Tod auf der Farm nichts Neues, und die Schmeißfliegen waren nicht wählerisch. Sie machten keinen Unterschied zwischen
einem Kadaver und einer Leiche. « Seite 6, Prolog erster Satz

Fazit

Auch wenn die »Dürre« weniger ausschlaggebend für die Geschichte war als gedacht ist das Buch sehr spannend und rätselhaft. Es spiegelt wunderbar diese kritische Atmosphäre einer kleinen Gemeinde wieder, in der jede kleine Sünde im kollektiven Gedächtnis verbleibt. In welcher spekuliert und vorverurteilt wird und jeder jeden kennt. Sehr spannend, sehr düster und eine facettenreiche Geschichte über Freundschaft. Man stellt sich unwillkürlich die Frage wie gut man einen Menschen eigentlich kennen kann, und wie sich ein guter Freund über viele Jahre verändern kann. Äußerem wartet das Buch mit ein paar völlig unverhofften Wendungen auf. Es wird garantiert nicht langweilig!

Buchdetails / Reiheninfo

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Verlag: Rowohlt Polaris Verlag (21. Oktober 2016)
ISBN: 978-3-499-29026-8
Preis: PB 14,99 € , 384 Seiten

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