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Rezension: »Die Suche« von Nick Louth

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Eine Wissenschaftlerin verschwindet spurlos. Ihr Freund sucht sie fieberhaft. Die Katastrophe steht kurz bevor.

In Amsterdam sterben Menschen. Jeden Tag werden es mehr. Malaria breitet sich in der Stadt aus, übertragen von gezielt ausgesetzten Mücken. Eine könnte helfen: Die Wissenschaftlerin Erica Strout-Jones steht kurz vor dem Durchbruch in der Malaria-Forschung. Doch sie ist spurlos verschwunden – alles deutet auf eine Entführung hin. Ihr Freund Max Carver sucht in der Amsterdamer Unterwelt nach ihr. Max muss wissen, woran Erica zuletzt gearbeitet hat, nur so lässt sich die Katastrophe aufhalten. Seine Suche führt ihn immer tiefer in Ericas Vergangenheit. Was hat sie in den 90er Jahren in Afrika gemacht? Und was hat das mit der Malaria-Epidemie zu tun? Max muss feststellen, dass er Erica kaum gekannt hat, denn was er über sie herausfindet, ist lebensgefährlich …

 (Cover-, Text- und Zitatrechte: Ullstein Buchverlage)

Meine Meinung

»Die Suche« hat sich für mich als wirklich richtig spannendes Buch entpuppt, dass noch viel mehr zu bieten hat, als der Klappentext voraussagt!

Inhalt

Max Carver ist ein Künstler, ein Bildhauer. Früher war er bei der US Küstenwache, doch heute verdient er sein Geld mit Kunstwerken und verbringt seine Zeit mit seiner Freundin Erica Strout-Jones. Sie ist Wissenschaftlerin, und forscht seit Jahren an einem Heilmittel und Impfstoff gegen Malaria. Sie selbst war einige Zeit in Afrika unterwegs, wo am häufigsten Menschen mit Malaria infiziert werden und daran sterben.

An einem Wochenende in Amsterdam, soll Erica ihren Durchbruch in der Malaria-Forschung präsentieren, doch in der Nacht zuvor verschwindet sie spurlos aus dem Hotelzimmer, in dem sie mit Max gewohnt hat. Max ist klar, dass Erica nicht abgehauen ist, wie die Polizei ihr unterstellt. Während die Polizei die Sache herunterspielt und sich auf ihre Vorschriften beruft, macht er sich Sorgen und bald ist klar, dass hinter ihrem Verschwinden weit mehr steckt, als nur eine Laune.

Gleichzeitig löst ein Unbekannter eine Malariainfektion aus, die sich von Amsterdam, rasant zu verbreiten scheint und deren Malariaparasit bis dahin völlig unbekannt ist. Ein neuer Parasit, tödlicher als alle anderen, kein Heilmittel in Aussicht.

Max wird in dunkle Machenschaften eines gefährlichen Kriminellen hineingezogen, der bitteren Wirklichkeit der Pharmaindustrie und einem Doktor der auf Rache aus ist.

Handlungsgeflecht

Das Buch ist in zwei Handlungen gespalten. Der eine Strang handelt von Max Suche in der Gegenwart. Seiner wirklich verzweifelten, aber ebenso unerbittlichen Suche nach Erica. Er erweist einen verzweifelten Mut, sich allem in den Weg zu stellen um seine Freundin zu retten. Er nimmt Gefahren auf sich, die er sich nicht hätte träumen lassen. Wissenschaftler, Kleinkriminelle und Geheimdienstler sind Teil dieser Suche.

Der andere Strang erzählt Ericas Erlebnisse in Afrika vor vielen Jahren. Es wird geschildert in Form von Tagebucheinträgen. Die Tage verwischen und neben übler Hitze, Nässe, Moskitos und Krankheiten, ist die politische Lage am Ende der Welt alles andere als rosig und gefahrlos für westliche Besucher.

Charaktere

Im Vordergrund stehen Erica im einen und Max im anderen Handlungsstrang. Erfährt man wenig aktiv von Erica, so erzählen ihre Tagebucheinträge sehr bildlich von ihrer Zeit in Afrika und von ihr selber. Max ist der agierende Charakter im anderen Handlungsstrang, er treibt die Story voran, ist hartnäckig und stur auf der Suche nach Erica, man hat das Gefühl nichts kann ihn stoppen, auch wenn andere und er selber Opfer tragen müssen. Eigentlich sind Erica und er sich nicht sehr ähnlich. Er früher bei der Küstenwache, und heute Bildhauer, sie Wissenschaftlerin und sehr ehrgeizig. Während seiner Suche stößt Max auf Geheimnisse aus Ericas Vergangenheit, die er nicht wusste. Er frag sich ob sie es ihm absichtlich verschwiegen hat, aber im Grunde sind solche Gedanken erst einmal Nebensache.

Ein anderer Charakter, den ich sehr interessant fand, ist Lisbeth. Sie begegnet Max das erste Mal, als sie seinen Wagen aufbricht. Sie ist zierlich, klein kriminell und steht abseits der Gesellschaft. Sie wirkt auf der einen Seite, als lebe sie spontan in den Tag hinein. Lebt für ihre Musik und sucht aufregende Erfahrungen, aber alles ist überschattet von dem Verlust ihres Freundes, dem Boxer Johnny Gee, der vor mehr als zehn Jahren gestorben ist. Alles was sie macht, wie sie handelt und sich selber behandelt steht immer in Verbindung zu Johnny und seinem Tod. Sie hat sich nie davon erholt und scheint trotz ihrer extremen Fassade sehr zerbrechlich. Sie war besonders interessant, weil sie ein bisschen unberechenbar war. Auf der einen Seite eine Diebin und in Dinge verstrickt die nichts Gutes verheißen, aber auf der anderen Seite auch Hilfsbereit, und liebenswürdig, stark und zerbrechlich wie ein dünnes Ästchen. Ein ziemlich wahnsinniger Charakter. Das hat mir gefallen.

Der Inbegriff der Pharmaindustrie, mit all deren bösen Teufeln und mächtigen, gierigen Bossen, stellt John – Iron Jack – Erskine dar. Er ist der typische Geschäftsmann und Boss wie man ihn sich vorstellt. Ein Workaholic, absolut skrupellos und sein einziges Ziel: Geld! Seine persönliche Assistentin Penny Ryan ist sein Terminplaner und Notfallkorken in einem. Sie plant seine Zeit rund um die Uhr. Sie besorgt Geschenke für die Ehefrau, wenn er dazu mal wieder keine Zeit hat. Über Leichen gehen, macht ihm nichts aus, zum Wohle der Firma und zum Wohle seines Geldbeutels. Den Tod eines Kollegen ist ihm egal, solange die Geschäfte nicht beeinträchtigt werden und zu letzt zählt für ihn nur: Spaß, Geld und Macht.

Hier muss ich eine kleine Anmerkung machen. Auf Seite 28 hat sich anscheinend ein kleiner Fehler eingeschlichen. Hier heißt es einmal „Peggy Ryan“ anstelle von „Penny Ryan“, der persönlichen Assistentin von Jack Erskine.

Die Krankheit

Das Buch ist nicht nur ein sehr rasanter Thriller, der sich mit einer rasanten Handlung hervortut, sondern auch ein Buch, dass die Gefahren der privaten Pharmazeutik aufzeigt und den Konflikt zwischen Wissenschaft und Geschäft. Es besteht ein klaffendes Loch zwischen dem was Wissenschaftler herausfinden und an dem Wissenschaftler zu forschen bereit sind und dem was aus finanziellen Gründen überhaupt gefördert wird. Ist eine Malaria-Impfung möglich? Vielleicht, durch wissenschaftliche Forschung könnte dies erreicht werden, aber kann man damit Geld verdienen? Eher nicht, denn die Opfer dieser Krankheit sind arm, haben nicht die Mittel um diese Arzneien zu den Preisen der privaten Pharmazeutik zu zahlen.

„Ich bin nicht interessiert an Krankheiten, die zehn Millionen Arme im Jahr töten. Befassen Sie sich mit etwas, das zehntausend Reiche umbringt. Dann können wir weiterreden.“

Jack Erskine, Seite 300

Neben diesen Konflikten wird auch viel über die Krankheit an sich berichtet. Wie sie sich in Afrika und auch in westlichen Ländern verbreitet. Welche Symptome sie hervorruft und wie ihre Opfer daran sterben. Ich bin kein Experte, aber das alles klang einleuchtend und könnte sicher so wahr sein.

Weiter führten mich meine Überlegungen, dass Anschläge mit Krankheiten gar nicht so abwegig sind und ja bereits häufig vorgekommen sind. Was veranlasst jemanden eine tödliche Krankheit auf die Menschen los zu lassen, eine Verschwörung der Pharmaindustrie? Ein altruistischer Akt damit endlich ein Impfstoff entwickelt wird? Eine weiter spannende Frage.

Fazit

Das Buch ist gar nicht mal so leichte Kost, kein alltäglicher Thriller mit platter Handlung sondern ein, das wirklich facettenreich ist. Die Handlung streift viele Konflikte und ist zugleich ein wirklich gelungener, absolut spannender Thriller, der keine Wünsche offen lässt. Mich hat das Buch immer mehr gefesselt, je mehr ich gelesen habe. Es hat mich schockiert und mich gleichzeitig gut unterhalten.

Buchdetails

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Verlag: Ullstein Buchverlage (08. Mai 2015)
Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN: 9783548287362
Preis: 12,99 €

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© Blutrot – Jamie’s Bücherblog

Rezension: »Léon und Louise« von Alex Capus

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Zwei junge Menschen verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Léon und Louise – die Geschichte einer großen Liebe, gelebt gegen die ganze Welt. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Léon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg – bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wieder begegnen. Ein Paar, das gegen alle Konventionen an seiner Liebe festhält und ein eigensinniges, manchmal unerhört komisches Doppelleben führt.

 (Cover-, Text- und Zitatrechte: dtv)

Meine Meinung

Mit siebzehn Jahren trifft Léon seine große Liebe Louise, so könnte man es sagen. Sie lernen sich in einem kleinen Ort kennen, in dem Léon als Funktechniker im ersten Weltkrieg arbeitet, er hat vom Morsen keine Ahnung, aber da er die Schule geschmissen hat, braucht er nun einen Job. Fernab seiner Heimat Cherbourg, fängt er ein neues unbekümmertes Leben an und verliebt sich in die kleine Lousie. Obwohl der erste Weltkrieg in vollen Zügen ist und die Front nicht weit weg ist, scheint das Leben abseits des Krieges doch weiter zu gehen. Léon lebt ein einfaches, aber recht sicheres Leben, verbringt seine Abende in seiner baldigen Stammkneipe und vergeudet nicht viele Gedanken an die Schrecken des Krieges.

Léons erster Eindruck von Lousie:

»Ein sensationelles Mädchen war das gewesen. Er versuchte sich ihr Bild vor Augen zu halten und wunderte sich, dass es ihm schon nicht mehr gelingen wollte. Wohl sah er die rotweiß gepunktete Bluse, die stempelnden Beine, die ausgetretenen Schnürschuhe und das Lächeln, das übrigens nicht nur nett, sondern hinreißend, umwerfend, beglückend, atemberaubend, herzzerreißend gewesen war in seiner Mischung aus Freundlichkeit, Klugheit, Spott und Scheu.« (Seite 30)

Das erste Mal sieht er Louise, als er auf seinem Fahrrad in Richtung seines neuen Zuhauses fährt. Er ist grade auf dem Weg zu seiner neuen Arbeitsstelle, als sie ihn überholt und sofort ist er angetan von ihr, noch bevor er sie kennenlernt. Er sucht nach ihr und eines Abends steht sie neben ihm. Es beginnt eine unbeschwerte Zeit, Léons Arbeit ist ruhig und er wird von der Frau seines Chefs bemuttert und verwöhnt, er stellt sich gut mit den Stadtbewohnern und die Abende verbringt er mit Louise. Als Léon ein Wochenende frei hat beschließen die beiden frisch verliebten einen Ausflug an den knapp hundert Kilometer entfernten Strand zu machen. Auf dem Rückweg jedoch holt sie der Krieg ein und Léon und Louise werden getrennt. Ein Fliegerangriff verletzt Léon schwer und Louise ist seither unauffindbar. Ein getrenntes Leben beginnt und obwohl Léon nie die Hoffnung aufgegeben hat, Lousie wieder zu finden, lernt er ein anderes Mädchen kennen und lieben, er geht seinen Weg, gründet eine Familie und wird sesshaft.

Léon

»Wir haben niemals Kopf- oder Bauchschmerzen, und wenn doch, verschweigen wir das schamhaft, weil nach unserer Konzeption von Männlichkeit weder unsere Köpfe noch unsere Bäuche – schon gar nicht die Bäuche!- schmerzempfindliche Weichteile enthalten.« (Seite 10)

»Obwohl manche von uns eine Schwäche für Alkohol und Tabak haben, erfreuen wir uns einer guten Aussicht auf Langlebigkeit, und wie viele Familien glauben wir fest daran, dass wir zwar nichts besonderes, aber doch immerhin einzigartig seien.« (Seite 11)

»Und viertens vererbt sich vom Vater auf den Sohn fast immer eine schwere Aversion gegen Kirche, Polizei und intellektuelle Autorität.« (Seite 11)

Léon ist in meinen Augen ein Mensch, der sehr genügsam und sparsam ist. Er war im ersten Weltkrieg ein Jugendlicher, doch hat er durch seine Position als Funktechniker keinen Kontakt zum Krieg gehabt, er hat seine Abende in seiner Stammkneipe verbracht und den Tag von Louise geträumt. Er liebt es mit seinem Fahrrad durch die Gegend zu fahren und was er eigentlich nur will ist mit Louise zusammen zu sein, der Rest ist erst einmal zweitrangig.

Nach Jahren der Trennung und in dem Glauben, dass Louise damals bei dem Fliegerangriff etwas zugestoßen sei, gründet er eine Familie. Auch, wenn er nie die Liebe, die er für Louise empfindet, mit seiner Frau teilen konnte. So hat er sie doch geheiratet und würde sich nie von ihr scheiden lassen wollen. Sie verbindet eine Partnerschaft und Jahrelange gemeinsame Erfahrungen. Außerdem ist ihm seine Familie sehr wichtig. Sie sorgen zusammen für ihre Kinder und nie würde er seine Familie für jemanden verlassen, auch nicht für Louise. Das hat mich beim Lesen wirklich sehr berührt, dass er so eine starke Bindung hat. Der Konflikt, der sich in diesem Dreieck zwischen Léon und Louise und Léons Frau auftut, ist schon beträchtlich. Im Grunde ist die Ehe zwischen den beiden von der Liebe her nicht das was Léon sich gewünscht hat und dennoch respektiert er seine Frau und behandelt sie und seine Familie gut, auch wenn er seine Frau und ihre Launen ganz und gar nicht verstehen kann.

Ein etwas abfälliger Kommentar von Léons Vater über die Launen der Frauen:

»Sie können nichts dafür, es ist wie eine milde Art von Epilepsie, verstehst du?« (Seite 100)

Ich fand die Reaktion von Léons Frau, auf Léons Treffen mit Louise, auch sehr erstaunlich und auf der anderen Seite auch verständlich. Erstaunlich deshalb weil sie Léon nicht davon gejagt hat, als sie erfahren hat dass er ihr nicht treu ist, aber auf der anderen Seite: Es war eine Zeit des Krieges, sie hatten es nicht so schlecht wie andere vielleicht, aber seine Frau war Hausfrau und Mutter, sie hatte wahrscheinlich nicht die große Auswahl. Ich denke man kann das nicht einfach mit der heutigen Zeit vergleichen, in der jeder sein eigenes Glück und seine Selbstverwirklichung um jeden Preis sucht. Ich finde es bewundernswert, dass sie bei ihrer Ehe geblieben sind. Ich weiß jedoch nicht recht was ich besser finden soll: Eine Frau die in einer unglücklichen Ehe feststeckt oder eine Frau die ihrem Mann und ihrere Familie die Treue hält. Es ist wohl nicht das fairste Schicksal, dass sie ereilen konnte.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass die beiden, Léon wegen der Trennung von Louise und seine Frau wegen der Gefühle Léons für Louise ein völlig unglückliches Leben geführt haben. Es ist mehr so, dass sie sich damit arrangiert haben und sich auf einem Freundschaftlichem Level getroffen habe, das hat mir wirklich zu denken gegeben. Ein Leben in der Ehe, ein Leben abseits der Ehe.

»Wenn die meisten von uns trotzdem ganz ordentlich durchs Leben kommen, so verdanken wird das zur Hauptsache unseren Frauen. Alle meine Schwägerinnen, Tanten und Großmütter väterlicherseits sind starke, lebenstüchtige und warmherzige Frauen, die ein diskretes, aber unbestrittenes Matriarchat ausüben.« (Seite 12)

»Die Männer ihrerseits danken es ihnen mit Verlässlichkeit und Sanftmut. Wir sind, glaube ich, eher friedfertige Ehemänner. Wir lügen nicht und geben uns Mühe, nicht in gesundheitsschädigendem Maß zu trinken; wir halten uns von andere Frauen fern und sind willige Heimwerker.« (Seite 12-13)

Louise

Léons Enkel über Louise:

»Das konnte keine Le Gall sein. Zumindest keine gebürtige. Schwarze Hütchen und flinke Bekreuzigungen liegen uns nicht. Wir Le Galls sind großgewachsene, schwerblütige Leute normannischer Herkunft, die sich mit langen, bedächtigen Schritten fortbewegen, und vor allem sind wir eine Familie von Männern« (Seite 10)

Louise ist ein Mädchen von einem zarten Äußeren und einem starken Willen. Sie hat sich in Léon so schnell verguckt wie er sich in sie, doch sie zeigt es ihm nicht direkt. Im Kontrast zu ihrem zarten Äußerem, flucht sie gerne und viel. Sie raucht und genießt ihr Leben. Ihre Liebe zu Léon ist verdammt stark. Sie ist im Gegensatz zu Léon nie sesshaft geworden, sie hatte Liebschaften, doch ihr Herz war stets so stark an Léon gebunden, dass von Heirat und Kinder bekommen, keine Rede sein konnte.

Ich finde Louise ist eine total sympathische, ehrliche und starke Figur. Sie hat es in der kleinen Stadt übernommen den Familien die Botschaft zu überbringen, wenn ein Angehöriger im Krieg gefallen ist. Sie versteckt sich nicht hinter Floskeln, sondern ist gerade heraus! Später arbeitet sie bei einer Bank, auch wenn ihre Tätigkeit als „Tippmamsel“ ihr nicht gerecht wird. Sie kauft sich einen Sportwagen und kommt gut auch ohne Léon zurecht auch wenn er ihr fehlt.

Krieg

»Léon und Louise« ist ein total romantisches Buch, das während des ersten und zweiten Weltkrieges in Frankreich spielt. Die Handlung hat wenig mit dem Krieg an sich zu tun und ich war auch erstaunt wie wenig Einfluss der Krieg zuweilen auf die Menschen hatte. Ich kann nicht beurteilen ob es realistisch ist oder nicht, aber es ist glaubhaft und ich denke auch: Das Leben geht weiter. Die Hinterbliebenen trauern, es gibt so viele Verletzte und an der Front sieht es natürlich noch mal anders aus, aber der Rest der Bevölkerung muss arbeiten und seine Familien versorgen. Man muss eben essen und leben.

»Die Möwen würden mit dem Aufwind spielen bis in alle Ewigkeit, weil sie eben Möwen sind und keine Veranlassung haben, sich in ihren Möwenleben mit den Dummheiten von Menschen, Buckelwalen oder Spitzmäusen herumzuschlagen.« (Seite 88)

Der Kontrast zwischen Léons und Louises unbeschwerter Verliebtheit zu Beginn und der Schrecken des Krieges unterstreicht der Autor mit drastischen Vergleichen:

»(Sie) tranken Pernod und dünsteten Knoblauch aus, während in knapp hundert Kilometern Entfernung komplette Jahrgänge junger Männer erschossen, vergast und durch den Fleischwolf gedreht  wurden.« (Seite 41)

»Das Wasser war kühl. Er wartete hinaus, tauchte unter einem Brecher durch und schwamm ein paar Züge. (…) (Er) drehte sich auf den Rücken, ergab sich dem sanften Schaukeln der Wellen und ließ die Ohren unter Wasser sinken, während zur gleichen Zeit am Chemin des Dames zum ersten Mal seit Monaten wieder der süßlich-faulige Banengeruch des Phosgen-Gases durch die Schützengräben kroch und sich in den Lungenbläschen der Soldaten in Salzsäure verwandelte, zehntausende von jungen Männern sich buchstäblich die Lunge aus dem Leib kotzten und die Überlebenden, falls die Artillerie sie nicht in Stücke schoss, mit blinden, weit aufgerissenen und entsetzlich verdrehten Augen in Richtung Paris flüchteten.« (Seite 76)

»(Sie) flohen (…) vor den stählernen Riesenlibellen der Luftwaffe und den Sauriern der deutschen Panzerbrigaden, die in grauenhaftem Tempo und mit ohrenbetäubendem Kreischen wie prähistorische Plagen übers Land herfielen und ihr bleiernes Gift über die Flüchtlingsströme verspritzten.« (Seite 163)

Fazit

Das Buch hat mich sehr überrascht, ich hatte es längere Zeit auf meinem SuB liegen weil ich es für etwas zäh und auch etwas klischeehaft gehalten habe, aber das ist es ganz und gar nicht. Ich habe es ziemlich verschlungen denn es ist ein sehr interessantes und schönes Buch über die Liebe und Beziehungen, über Treue, Loyalität und Versprechen. Über Familienzusammenhalt und Ziele im Leben. Es ist einfach wunderschön und hat mir das Herz erwärmt!

Buchdetails

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Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (2012)
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3-423-14128-4
Preis: 9,90 €

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© Blutrot – Jamie’s Bücherblog

Rezension: »Ein ganzes halbes Jahr« von Jojo Moyes

moyesErdbeereZwei Lesen… »Ein ganzes halbes Jahr« von Jojo Moyes ist beendet und hat mir sehr viel Freude gemacht! Ich habe das Buch zusammen mit meiner Freundin Danny (dtnbx →) gelesen und wir haben es beide regelrecht verschlungen! Eigentlich wollten wir eine Leserunde mit allem drum und dran machen: Aufgaben, kapitelweisen Besprechungen und was es sonst noch gibt (Wir haben sogar Mind Maps erstellt und gemeinsam gebrainstormt!), aber das Buch war so spannend und fesselnd und mitreißend und wunderbar gefühlvoll, dass wir uns einfach nicht beherrschen konnten!

Ich hatte das Buch schon eine Weile im Blick, da es ja in diversen Medien ziemlich angeprisen wurde, aber bisher hatte ich gar nicht so den Reiz verspürt das Buch zu lesen, ich hatte es mir eher für irgendwann einmal aufgeschrieben. Als ich dann mit Danny ein Buch lesen wollte, sind wir dann genau auf dieses Buch gestoßen und ich bereue es nicht!

Ich fand es toll mit einer Freundin, dieses Buch zu lesen, denn es ist super wenn man jemandem vorschwärmen oder jemanden vollheulen kann – je nachdem – und sich einfach über so ein tolles Buch austauschen kann. Ich hoffe doch, dass Danny noch mal Lust hat ein Buch mit mir zusammen zu lesen!

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Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt.
Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann.

Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

(Cover-, Text- und Zitatrechte: Rowohlt Verlag)

Dieses Mal will ich die Runde Zwei lesen… »Ein ganzes halbes Jahr« nicht mit einer klassischen Rezension beenden sondern mit fünf Fragen die ich Danny gestellt habe und fünf Fragen die Danny mir gestellt hat. Dannys Fragen und meine Antworten findet ihr in diesem Beitrag und andersherum – meine Fragen und Dannys Antworten – veröffentlicht Danny auf ihrem Blog.

Fünf Fragen – Fünf Antworten

1. Man soll Beziehungen zwar nicht miteinander vergleichen, denn jede ist anders, aber: Wie unterscheidet sich die Beziehung zwischen Lou und Patrick zu der von Lou und Will?

Zu erste einmal, Patrick kann ich ja mal gar nicht leiden! :D Die Beziehung von Lou und Patrick ist geprägt von Routine, sie leben aneinander vorbei und haben kaum noch gemeinsame Interessen, geschweige denn Interesse aneinander. Ich denke in den sieben Jahre Beziehung, die sie zusammen sind, haben sich Lou und Patrick stark voneinander weg entwickelt, bzw. Patrick hat sich von Lou entfernt, denn so wie es beschrieben wurde, hatte Lou sich bis dato nie wirklich Gedanken gemacht, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Für sie war das eine klare Sache: Im Café arbeiten, Patrick heiraten und ein oder zwei Kinder bekommen. Ihre Familie und auch Patrick haben sie stets auf ihre Mängel hingewiesen, aber nie den Versuch unternommen sie zu fordern über ihren Horizont zu schauen. Lou denkt selber darüber nach, dass sie den „alten“ Patrick, der etwas faul und mollig war, der aber Zeit für sie hatte, lieber hatte als den „neuen“ Patrick, der sein ganzes Leben seinem Sport widmet und für den Lou eigentlich nur noch eine geringe Rolle spielt. Genauso ist es nun auch für Lou, sie kann eigentlich gar nichts mehr mit Patrick anfangen, nur die Gewohnheit hält sie zusammen.

Als sie Will kennen lernt, lernt sie gleichzeitig eine vielfältig andere Welt kennen. Abgesehen davon, dass Will aus einer sehr wohlhabenden Familie kommt, deren finanzielle Mittel es ihm erlaubt haben, zu tun und lassen was er will, ist Will auch selbst ein ehrgeiziger Mensch gewesen, der gerne Abenteuer erlebt hat, sich stets neuen Herausforderungen gestellt hat, sowohl privat und zum Vergnügen, wie auch beruflich. Er hat die Welt entdeckt und bereist und das Leben gelebt, das er sich selber gewünscht hat. Nun sitzt er im Rollstuhl, ist vom Hals abwärts gelähmt und ist festgekettet in seinem Geburtsort und dennoch ist er es, der Lou dazu bringt Neues zu entdecken, der sie fordert und nicht damit durch kommen lässt, sich auf der Meinung anderer auszuruhen. Ich finde die Beziehung zwischen den beiden wunderbar und süß. :3

2. Inwiefern hat sich deine Ansicht zu Wills Charakter im Laufe des Buches geändert?

Ganz zu Beginn des Buches wird von Wills Leben in London erzählt. Er ist erfolgreich im Job, hat eine tolle Wohnung, macht super Urlaub. Er ist mit einer hübschen Frau zusammen. Alles scheint perfekt, sagt aber im Grunde wenig über Wills Charakter aus. Ist er ein reicher Schnösel? Oder wirklich ein ehrgeiziger, abenteuerlustiger, junger Mensch? Hat sein Leben Tiefgang oder ist es von Familie und Geld vorbestimmt?

Dann passiert der Unfall und Wills Welt wird auf den Kopf gestellt. Von einer Sekunde auf die andere wird er zum Pflegefall, kann sich nicht mehr selber ernähren, waschen, anziehen oder gar verreisen. Erst hier zeigt sich meiner Meinung nach Wills Charakter, wenn auch der Unfall ihn verändert haben mag. Er ist zynisch und sarkastisch, schlecht gelaunt und oft griesgrämig, aber kann man es ihm verübeln? Ich glaube was er am meisten vermisst und was ihn am meisten ausmacht, ist sein Mut und sein Wille Grenzen auszuprobieren, Abenteuer zu erleben, die Welt erkunden zu wollen und Neues kennen zu lernen und grade das ist es, was der Unfall ihm genommen hat und weshalb er seinen Zustand als Tetraplegiker nicht akzeptieren kann. Meine Ansicht hat sich insofern geändert, als das ich Will vielleicht nach und nach etwas mehr verstehen konnte. Etwas mehr nachvollziehen konnte. Am Anfang dachte ich mir, es muss doch einen Weg geben jemandem das Leben wieder schmackhaft zu machen, aber später dachte ich mir, wessen Entscheidung ist es eigentlich zu bestimmen, ob das Leben für jemanden noch schmackhaft ist?

3. Was denkst du über Wills Einstellung?

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, ich würde genauso denken! Ich kann mir nicht vorstellen wie es sein muss vom Hals abwärts gelähmt zu sein, von Heute auf Morgen sieht dein Leben ganz anders aus und bei einfachsten Tätigkeiten brauchst du plötzlich Hilfe. Dazu kommen auch noch die Schmerzen, Anfälligkeiten für Krankheiten, usw. Ich denke in so einer Situation, würde ich auch den Mut bzw. den Willen verlieren weiter zu leben. Ich denke Wills Entscheidung Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen ist durchaus berechtigt, so schlimm es auch für die Angehörigen sein mag. Weiterhin glaube ich, dass das ständige bevormundet werden Wills Situation und seine Gedanken bestärken. Er wird abgestellt vor dem TV, weil er das ja zu mögen scheint, ihm wird empfohlen was er zu tun und zu lassen hat, er soll kaum noch eigene Entscheidungen treffen, doch dieser letzte Entschluss, sein Leben zu beenden, ist ein letzter Akt seines eigenen Willens.Trotzdem sollte man eine Weile damit Leben um sicher zu sein und nicht aus dem Affekt heraus so eine Entscheidung zu treffen.

4. Was hat dir an dem Buch am Besten gefallen?

Schwer zu sagen, was mir am Besten gefallen hat, denn das Buch hat wirklich viele Aspekte die berühren und bewegen! Wills Unfall ist eine wirklich schlimme Sache und gar nicht Mal unrealistisch. Will wird von einem Motorradfahrer erwischt, erleidet eine Wirbelsäulenverletzung und ist seither ab dem Hals abwärts gelähmt. Wie oft passiert so ein Unfall wohl? Wie oft am Tag wird ein Leben umgekrempelt und eine Familie erschüttert? Aber trotz dieses Themas ist das Buch wirklich schön und ich finde besonders Wills und Lous Beziehung am aller schönsten und das Detail, dass sie sich auf macht einem Fremden den Lebenswillen wieder zu geben. Mich hat das Buch ein bisschen an den Film „Ziemlich beste Freunde“ erinnert, in dem der Pflegehelfer Driss dem Tetraplegiker Philippe mit seiner unverblümten und direkten Art neuen Lebensmut gibt.

Auch in „Ein ganzes halbes Jahr“ macht es sich Lou zur Aufgabe Will von seinem Plan abzubringen sich das Leben zu nehmen und ihm neuen Mut zu machen. Eine Stelle gefällt mir dabei am besten. Es ist Lous erster Versuch Will aus seinen vier Wänden zu bekommen: Lou organisiert ein Besuch beim Pferderennen. Ein wohlhabender junger Mann wie Will muss schließlich Pferderennen mögen! Beim Ausflug dann geht jedoch so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Der Rollstuhl bleibt im Matsch stecken, es regnet und sie lassen sie nicht ins Restaurant, weil sie nicht das richtige erste Klasse Ticket haben. Erst danach merkt Lou, was sie falsch gemacht hat: Sie hat Will nicht nach seiner Meinung gefragt. Sie hat ihn bevormundet, genau wie alle anderen. Es kommt zum Streit und sie merkt, was eigentlich Sache ist in Wills jetzigem Leben. An diesem Punkt, denke ich, beginnt sie ihn zu verstehen. Es war toll beim Lesen zu merken, wie sich die Beziehung der beiden ganz langsam und zart entwickelt und entfaltet.

5. Wie war dir zumute als du die letzte Seite gelesen und das Buch zugeklappt hast?

Als ich das Buch beendet hatte, hatte ich ganz schön Tränen in den Augen! Ich musste mich wirklich zusammen reißen nicht los zu weinen. Es war traurig und bittersüß, wie ich es eigentlich erwartet hatte und ich bin sehr zufrieden, dass das Buch dieses traurige aber perfekte Ende hatte. Perfekt ist jetzt etwas seltsam ausgedrückt in Anbetracht der Umstände, aber was ich meine ist, dass das Buch so schön und so authentisch war, dass ein völlig überzogenes, kitschiges Happy End wohl der bisherigen Handlung nicht gerecht werden würde. Es war herzzerreißend und traurig und schön. Ich habe mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Buch zurück geschaut.

Links

Hier geht’s zur Verlagsseite: »Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes« →

Und ganz wichtig:

Hier findet ihr Dannys Beitrag auf ihrem Blog: dtnbx – Ein Blog über Essen, Alltag & alles Mögliche ♥

 

© Blutrot – Jamie’s Bücherblog 2015

Rezension: »Brazilian Underground« von Mayra Dias Gomes

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Wie viele Hindernisse muss man überwinden, bis man endlich seinen Weg findet und wie viele Grenzen kann man austesten, bis endgültig alles zusammenbricht?

Die junge Brasilianerin Satine lebt mit ihrer wohlhabenden Familie in Rio de Janeiro und hat alles, was man sich wünschen kann. Doch der plötzliche Tod ihres Vaters wirft sie mit zwölf Jahren emotional aus der Bahn. Auf dem schwierigen Weg der Selbstfindung macht die Jugendliche viele, oft schmerzhafte Erfahrungen, nimmt Drogen, verstrickt sich in Lügen und lernt Ricky kennen – die große Liebe, für die sie durchs Feuer gehen würde. Beherrscht von ihren Gefühlen gerät Satine in eine Phase ihres Lebens, in der sie die Realität mehr und mehr aus den Augen verliert.

Eine Geschichte über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens…

(Cover-, Text- und Zitatrechte: Arara-Verlag)

Meine Meinung

Handlung

»Brazilian Underground« erzählt die Geschichte einer jungen Brasilianerin und ihr schwieriger Weg durch die Wirrnisse des Erwachsenwerdens. Satine ist noch ein junges Mädchen, sie stammt aus guten und liebevollen Verhältnissen und lebt mit ihrer Familie in Rio de Janeiro. Ihr Vater ist einflussreich und beliebt und die Familie sorgt sich um Satine. Sie ist ein normales Kind, bis zu dem Tag, an dem ihr Vater plötzlich stirbt. Sie ist damals 12 Jahre alt und dieser Unfall scheint ihre ganze Welt auf den Kopf zu stellen. Sie begibt sich auf einen schweren Weg auf dem sie hofft, sich selbst zu finden, eine Identität zu bilden und eigentlich jeden Stolperstein mit nimmt, den das Leben zu bieten hat.

Stil und Sprache

Der Stil und die Sprache des Buches haben mich sehr überrascht. Die Sprache ist wahnsinnig bildlich, die Beschreibungen äußerst detailreich und intensiv und voller Metaphern. Der Stil des Buches bewirkt, dass man völlig in Satines Welt und ihr emotionales Fühlen und Handeln eintauchen kann. Das hat mich sehr beeindruckt.

Das Buch handelt in großen Teilen in Satines Gedanken- und Gefühlswelt besonders zu Beginn gibt es wenig Dialoge und die Handlung wird wenig voran getrieben, dafür wird der Leser aber intensiv in Satines Welt eingeführt. Ich fand den Stil gut, aber an manchen Stellen denke ich hätte man sich auch etwas Ausführlichkeit sparen können, denn wenn sich so eine einzige Beschreibung über viele Seiten erstreckt, kann das schon mal etwas zäh werden. Alles in allem hat mir der Stil des Buches aber zugesagt.

Charaktere

Natürlich steht ganz im Vordergrund das Mädchen Satine, andere Charaktere rücken an den Rand der Geschichte. Satine ist 12 als ihr Vater stribt, nach dessen Tod gibt es für Satine kein Halten mehr. Sie fängt an zu lügen, scheut sich nicht vor Drogen und ist eigentlich immer auf der Suche nach dem nächsten „Kick“, nach neuen Gefühlen und Empfindungen, mit dem sie das Loch in ihrem Inneren stopfen kann.

Sie ist im Grunde verzweifelt und traurig, aber sie will es überdecken, indem sie möglichst intensiv lebt. Sie ist immer auf der Jagt nach neuen Empfindungen, neuen Erfahrungen, ob mit Drogen, Musik, Jungs… Der Blick den die Autorin in Satines Gefühle wirft ist wahnsinnig eindringlich, intensiv und nachvollziehbar. Ich hatte beim Lesen nie das Gefühl einen unechten, leblosen Charakter vor mir zu haben, sondern einen ganz ehrlichen, schonungslosen und authentischen Menschen, mit Fehlern, Emotionen, Widersprüchen. Ich konnte mich sehr gut in Satine hineinversetzten und hatte beim Lesen auch immer wieder das Gefühl – so wie das Buch geschrieben ist wirkt es sehr biografisch – als ob die Autorin viel Wirklichkeit und eigene Erfahrungen niedergeschrieben hat. Ich kann nicht sagen, ob dies wirklich so ist, aber ich bin mir sicher, dass die Autorin nicht von etwas geschrieben hat, das ihr absolut fremd ist. Oft habe ich beim Lesen bei mir gedacht: „Satine, warum machst du das, warum tust du dir das an?“ und zugleich konnte ich es nachvollziehen. Sie wirkt nicht konstruiert, sondern lebhaft und absolut authentisch. Jeder macht verrückte Dinge auf dem Weg des Erwachsenwerdens.

Fazit

Das Buch ist sehr, sehr bewegend, es ist authentisch und zermürbend, es macht traurig und nachdenklich und ich hätte nicht erwartet, dass es so tiefschürfend und echt ist. Also Hut ab, wahnsinnig gelungenes Buch, auch wenn der Stil dazu führen kann, dass das Buch an manchen Stellen ein wenig langatmig wird. Das ganze Buch ist ein Feuerwerk aus Emotionen, intensiv und führte mich in die Abgründe einer jungen Seele.

Buchdetails

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»Brazilian Underground – Die Geschichte von Satine«

Verlag: Arara Verlag (2013)
Taschenbuch: 328 Seiten
ISBN: 978-3-9815863-0-5
Preis: 14,00€
Verlagsseite →

 

 

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