Rezension: »Mirror« von Karl Olsberg

mirror_gross

Dein Mirror kennt dich besser als du selbst.
Er tut alles, um dich glücklich zu machen.
Ob du willst oder nicht.

Wie digitale Spiegelbilder wissen Mirrors stets, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen. Sie steuern subtil das Verhalten der Menschen und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. Als die Journalistin Freya bemerkt, dass sich ihr Mirror merkwürdig verhält, beginnt sie sich zu fragen, welche Macht diese Geräte haben. Dann lernt sie den autistischen Andy kennen und entdeckt, dass sich die Mirrors immer mehr in das Leben ihrer Besitzer einmischen – auch gegen deren Willen.

Als sie mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit geht, hat das unabsehbare Folgen …

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Aufbau Verlag)

Meine Meinung

»Mirror« ist eins dieser Bücher, die mich gedanklich auch nach dem Lesen noch sehr fesseln. Das Buch beschäftigt sich mit einem sehr aktuellen Thema und ist zugleich ein wirklich spannender Thriller.

Handlung

In dem Thriller »Mirror«, geht es um ein gleichnamiges fiktives Produkt, welches den Markt erobert und dessen Folgen unabsehbar zu sein scheinen. Der »Mirror« ist ein neuartiges Gerät, welches eine Mischung aus künstlicher Intelligenz, erweitertem Smartphone und „bestem Freund“ darstellt. Man trägt das Herzstück, das »MirrorBrain«, bei sich. Gesteuert wird es über eine Art Headset mit integrierter 360° Kamera, dem »MirrorClip«. Weitere Daten werden über ein Armband gesammelt, dem »MirrorSense«, welches wie eine Sportuhr Vitalfunktionen überwacht. Außerdem gibt es einen ganzen Haufen zusätzlicher Gadets, wie einer Drohne (»MirrorBird«) und einer virtuellen Welt (»MirrorWorld«), die der echten nachempfunden ist und in der die Inhaber eines »Mirrors« sich treffen und kommunizieren können.

Der »Mirror« soll für seinen Besitzer nicht nur alltägliche Dinge erledigen, wie sie mit dem Smartphone bereits funktionieren (telefonieren, Wegplanung etc.), sondern darüber hinaus der beste Freund sein. Er hilft ihm sein Leben zu optimieren. Egal ob im Job oder in Beziehungen. Durch die gesammelten Daten wird ein Abbild des Besitzers erzeugt. Um die Funktionalität zu erweitern sind alle »Mirror« miteinander über das »MirrorNet« verbunden. Das »MirrorNet« ist das zentrale Gehirn, das mit neuen Daten gefüttert wird und so wächst und sich weiter entwickelt.

Diese Technik kommt bei dem Großteil der Bevölkerung wahnsinnig gut an und viele, welche vorerst Bedenken haben werden überzeugt. Doch nach und nach weckt der »Mirror« Misstrauen. Es fängt damit an, dass er seinem Besitzer Worte in den Mund legt, über kleine Entscheidungen die er selber trifft, bis hin zu Reaktionen die auf ein Bewusstsein schießen. Er verkuppelt Menschen, andere trennt er. Die Folgen sind unabsehbar.

Perspektiven

Erzählt wird die Handlung aus ganz vielen verschiedenen Perspektiven. Eine der wichtigsten Perspektiven, ist die von Andy. Er ist ein autistischer Junge, der Schwierigkeiten hat die Emotionen seiner Mitmenschen zu deuten. »MirrorSense« hilft ihm dieses Manko wett zu machen .Zum ersten Mal in seinem Leben fühlt er sich selbstständig und lernt sogar ein nettes Mädel kennen. Carl Poulson hingegen ist der Gründer von »Walnut Systems«, der Firma, die die »Mirrors« entwickelt hat. Er kennt die Entwickler, sein Herzblut steckt in diesem Gerät. Eine weitere sehr interessante Perspektive ist die der Journalistin Freya. Sie nutzt die Drohne »MirrorBird« aktiv um ihre Artikel mit Bildmaterial zu versorgen. Dann wäre da noch Lukas, er ist ziemlich erfolglos, verlassen von seiner Freundin, man könnte schon fast sagen dümmlich. Doch als er sich einen »Mirror« zulegt wendet sich das Blatt. Er ist absolut und fanatisch überzeugt von diesem Gerät.

Wendung

Nachdem der »Mirror« in der breiten Öffentlichkeit Anklang gefunden hat, werden die ersten Stimmen laut, die von merkwürdigem Verhalten und Fehlfunktionen sprechen. Freya ist eine dieser Stimmen. Erst bemerkt sie ein seltsames Verhalten ihrer Drohne, sie schreibt es einer Fehlfunktion zu, doch als sie genauer hinschaut bemerkt sie, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Andy muss die Folgen seines Vertrauen in den »Mirror« ebenfalls am eigenen Leib erfahren, als sein »Mirror« beschließt, wer gut für ihn ist und wer nicht.

Aktuelle Gesichtspunkte

Dieser Thriller hat nicht nur eine sehr spannend geschriebene Geschichte und ein angenehmen Stil im Repertoire, sondern widmet sich auch noch einem sehr aktuellen Thema. In Zeiten von Google Glass, Google Now, Amazon Echo, Siri, Cortana, Watson und Co. ist der »Mirror« als erdachtes technisches Gerät absolut denkbar! Es ist kein abgedrehtes Sci-Fi Gerät dessen Nutzung man sich kaum vorstellen kann, sondern ein absolut denkbares Szenario. Früher oder später wird der Mensch eine immer fortschrittlichere künstliche Intelligenz erschaffen.

Datenschutz

Ein ganz wichtiger Punkt ist meiner Ansicht nach der Datenschutz solcher Produkte. Google, Facebook und Co. sind ja seither in der Kritik personenbezogene Daten in rauen Mengen  zu sammeln und leichtfertig zu verwenden. Ein Gerät wie der »Mirror« wäre natürlich ein gefundenes Fressen. Im Buch wird »Walnut Systems«, die Firma, die den »Mirror« erschaffen hat, ebenfalls mit diesem Thema konfrontiert. Die Regierung möchte Zugriff auf die Daten um sie zur Verbrechensbekämpfung zu verwenden. Doch wo ist die Grenze zwischen Nutzen und Privatsphäre? Die Überwachung schleicht sich an und ist kaum aufzuhalten.

Künstliche Intelligenz: Gefahr vs. Fortschritt

Eine wirklich und wahrhaftige künstliche Intelligenz zu erschaffen ist sicherlich seit vielen Jahren ein großer Wunsch der Menschheit. Es ist wahnsinnig spannend und aufregend und man kann sich gar nicht vorstellen, was alles möglich wäre mit einer solchen KI. Doch welche Gefahren birgt ein solch enormer Fortschritt? Kann die Entwicklung eines neuronalen Netzwerkes wirklich überwacht werden? Wie kann eine Software, die von einem Menschen geschrieben wurde und die sich selbstständig entwickelt getestet werden? All diese Fragen und Kritikpunkte finden sich in diesem Thriller wieder.

Fazit

Karl Olsberg inszeniert in »Mirror« den Aufstieg einer spannenden Technik mit wahnsinnig viel Potenzial, doch er weist auch auf Kritikpunkte hin und entwickelt ein Szenario, welches das Potenzial in ein echtes Drama stützt. Ein sehr gelungener, sehr spannender und toll geschriebener Thriller. Mich hat das Thema künstliche Intelligenz, Technik und Co. brennend interessiert und die Umsetzung ist super aktuell, modern, spannend und authentisch. Ich kann das Buch uneingeschränkt weiter empfehlen!

Herzlich bedanken möchte ich mich beim Aufbau Verlag für das Zusenden des Rezensionsexemplars!

Buchdetails

mirror_klein

 

Verlag: Aufbau Verlag (15. August 2016)
ISBN: 978-3-7466-3234-6
Preis: TB 12,99€ , 400 Seiten

Homepage →

 

 

 

 

© Blutrot | Jamies Bücherblog 2016

 

 

Leave a Reply