Rezension: »Wonderland« von Christina Stein

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Sie machen eine Reise ins Paradies. Und landen in der Hölle auf Erden.
Thailand. Sonne, Palmen, eine Villa direkt am Strand. Der perfekte Urlaub! Doch als Lizzy am Morgen nach einer Strandparty aufwacht, ist sie gefangen. Mitten im Dschungel, mit ihren besten Freunden – und mit Jacob. Jacob, den keiner von ihnen richtig kennt, und der sie auf diese verdammte Strandparty eingeladen hat. Nur wegen ihm sind sie in einem Reality Game gelandet, in dem es nur schwarz oder weiß gibt, verlieren oder gewinnen, opfern oder geopfert werden.
Wer sind die Player in diesem Spiel? Was haben sie vor? Und welche Rolle spielt eigentlich Jacob? Lizzy hat keine Ahnung. Sie weiß auch nicht, wie lange sie ohne ihre Herzmedikamente überleben kann. Sie weiß nur eines: Die Gruppe muss bis morgen entscheiden, wer von ihnen das nächste Opfer sein wird …

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Fischer Verlag)

Meine Meinung

Liz, Jacob, Freund und Feind

»Wonderland« ist ein Buch, dessen Handlung einem nicht sofort einen „Freund“ und einen „Feind“ präsentiert. Liz, ihre Freundinnen, Jacob und die Jungs wachen gemeinsam  in einem grausamen »reality Game« auf. Sie sind entführt worden und gefangen. Doch wer sind die Spieler, die sich an ihrer Angst und ihrem Leiden auf der anderen Seite der Mauer ergötzen? Sie sind völlig Ahnungslos, bis auf eine Ausnahme: Jacob. Er scheint etwas zu wissen, doch er sagt nichts und spielt mit.

»Wieder versucht Jacob zu lächeln, sein seltsames Lächeln, das so anders ist als das von Adrián, genau genommen um hundertachtzig Grad anders. Und plötzlich ist da wieder das Ziehen, dieses Gefühl, dass irgendwass passiert, aber das Gefühl beherrscht einen ganz anderen Teil des Bauches, und ich finde: Irgendwas stimmt hier nicht.« (Liz Gedanken, Seite 15)

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Zum einen aus Liz‘ Perspektive zum anderen aus der von Jacob. später gibt es Episoden, die aus der Sicht eines Unbekannten erzählt werden, welcher der Drahtzieher von »Wonderland« zu sein scheint. Dieser Wechsel zwischen den Perspektiven macht es ungemein spannend. Liz weiß nur was sie sieht und was sie erlebt, doch Jacob hat mehr Informationen, die er jedoch dringend für sich behalten muss.

Neben der offensichtlichen Angst und Panik ist das Buch vor allem von den persönlichen Beziehungen geprägt. Die Freundschaft zwischen Nelli, Amelie und Liz ist immer wieder Thema, sie hält sie alle zusammen und auch wenn diese absolut harte Ausnahmesituation die Schattenseiten in den sechs hervorlockt, so ist es die Freundschaft die sie zusammenhalten kann. Eine zarte Verbindung entwickelt sich trotz der Verdächtigungen zwischen Liz und Jacob. Ist es Liebe oder ist ihre Verbindung dem immensen Druck entsprungen? Außerdem spielt Jacobs Familie eine wichtige Rolle. Jeder der sechs Charaktere, insbesondere Jacob und der drei Mädels haben eine individuelle Geschichte die nach und nach ans Licht kommt und die sie alle einfach sehr außergewöhnlich macht.

»[…] warum begreift er unsere Situation so viel schneller als der Rest von uns, und warum, verdammt nochmal, erschüttert ihn das nicht?« (Liz Gedanken über Jacob, Seite 43)

Liz und Jacob kommen sich bereits am Abend der Party ein wenig näher, jedoch ist Liz sehr skeptisch. Während ihres Aufenthalts im Park werden sie langsam zu Verbündeten und Anziehung macht sich trotz der Qual und der Angst breit. Ich finde besonders diese zarte Verbindung sehr natürlich und rührend.

Spitznamen

Etwas verwirrend ist zu Beginn des Buches, dass die Charaktere jeweils Spitznamen haben und mal so und mal so genannt werden. So wird z.b. einer der Jungs, neben seinem richtigen Namen auch immer wieder einfach »Freckles« genannt. Dies ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber in gewisser Weise auch recht real für jeden der auch gerne andere mit Spitznamen versieht.

Wonderland vs. Horrorland

Die Idee von »Wonderland« hat mich etwas an den (ziemlich heftigen, ekligen, blutigen und abartigen) Film »Hostel« erinnert. Im Film werden ein paar Rucksacktouristen entführt und von reichen Menschen, die ihre sadistische Ader einmal ausleben möchten gequält und gefoltert. »Wonderland« ist diesem Film in einigen Punkten sehr ähnlich. Touristen werden entführt und zum Zweck der Belustigung oder der Befriedigung von Bedürfnissen gequält. Doch »Wonderland« ist ganz und gar nicht stumpf und sinnlos brutal, (so wie ich persönlich den Film »Hostel« empfunden habe) sondern eine ganz fabelhaft erzählte Geschichte. Die Idee ist heftig und die Umsetzung super spannend, Nervenkitzel Pur!

Fazit

»Wonderland« hat mich dezent an den Film »Hostel« erinnert, die Idee ist gleichermaßen heftig, krass, wahnsinnig, doch die Umsetzung ist im Gegensatz zum Film, einfach großartig. Es ist weniger blutig, stattdessen ist vielmehr der psychische Druck und die angsterfüllte Atmosphäre absolut greifbar. Das Buch hat mich jedenfalls positiv überrascht, ich hatte nicht erwartet so einen Pageturner vor mir zu haben. Absolut spannend, mit viel Gefühl und zwei starken Protagonisten.

Buchdetails

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Verlag: Fischer Verlag ( 25.08.2016)
ISBN: 978-3-7335-0289-8
Preis: Paperback 12,99€ , 384 Seiten

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