Rezension: »Niemand sieht mich kommen« von Lisa Scottoline

niemand sieht mich kommen_gross

Inhalt

„Ich bin ein Soziopath. Ich halte dich zum Narren. Ich halte jeden zum Narren.“

Doktor Eric Parrish, der Chef einer psychiatrischen Klinik, hat schon bessere Tage gesehen. Seine Frau will sich von ihm trennen und droht, ihm seine siebenjährige Tochter Hannah wegzunehmen. Eine krebskranke Patientin legt ihm ihren Enkel Max ans Herz, der dringend Hilfe braucht, weil er als Stalker unterwegs ist, und die Medizinstudentin Kristine macht ihm Avancen – und klagt ihn der sexuellen Belästigung an, nachdem er sie abgewiesen hat. Als man ihn auch noch eines Mordes verdächtigt, begreift Eric, dass ihn jemand vernichten will.

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Aufbau Verlag / Rütten & Loening)

Meine Meinung

Handlung

Die Handlung würde ich als ganz soliden Plot für einen guten und spannenden (Psycho-)Thriller bezeichnen. Im Mittelpunkt steht Dr. Eric Parrish, welcher als Psychiater tätig ist. Die Spannung steigert sich in diesem Thriller ganz stetig mit jedem neuen Rückschlag, den Eric verzeichnen muss. Sorgerechtsstreit, Vorwurf wegen sexueller Belästigung, ein randalierender Patient und sogar ein Mordvorwurf stehen im Raum. Nach und nach wird Eric klar, dass das alles kein Zufall sein kann, sondern ein größerer Plan hinter all dem stecken muss. Doch während er sich mit seinen eigenen Problemen herumschlagen muss, ist Eric die ganze Zeit über bemüht das Interesse seiner Patienten zu wahren und insbesondere seinen neusten Schützling, Max, zu finden und zu retten, welcher nach dem Tod seiner Oma unter Suizidverdacht steht und verschwunden ist. Es entsteht ein Spannungsbogen zwischen Erics privaten Interessen und seinen Idealen als Psychiater und Arzt, seine Patienten zu schützen und Max zu retten. Er besteht vor der Polizei und jedem anderen auf die ärztliche Schweigepflicht, doch dies könnte ihn den Kopf kosten. Keine rosigen Aussichten für Eric.

Perspektive

Der Thriller wurde aus der Sicht von Eric verfasst, doch es gibt auch einen Perspektivenwechsel zu einem unbekannten Charakter, der von seinen inneren Konflikten und seinen Plänen spricht. Wobei es für diesen Charakter weniger Konflikte als eher Stärken sind. Ein Blick in die Seele eines Soziopathen könnte man sagen. Zu Beginn jedes Kapitels, welches aus dessen Sicht geschrieben ist, steht eine Frage aus einem psychologischen Fragebogen, was ich ganz interessant fand, ohne als Laie beurteilen zu können, wie diese Fragen einzuordnen sind.

Titel

»Niemand sieht mich kommen« ist ein sehr passender Titel für diesen Thriller. Bis zuletzt ist der Plan, der sich hinter allen Ereignissen versteckt, verschleiert und auch die Perspektive aus der Sicht des Soziopathen bietet erst im Nachhinein Anhaltspunkte, um welchen Charakter es sich handelt. Solche Überraschungen sind für mich immer ein großer Pluspunkt für einen guten Thriller.

Cover

Das Cover ist ebenfalls sehr gelungen gestaltet, es zeigt einen Rorschachtest, bei dem wohl viele antworten würden, es sehe aus wie ein Schmetterling oder eine Motte. Im Inneren des roten „Klecks“ sieht man das Gesicht einer Frau und einen Mann mit einem Aktenkoffer. Ein sehr interessantes Cover, das auf der einen Seite sehr auffällig ist und zugleich auch einen starken Bezug zur Handlung hat.

Charakter

Dr. Eric Parrish, der Protagonist, ist mir bis zum Desaster etwas zu glatt daher gekommen. perfekter Job, perfektes Haus, perfekte Führungsperson, perfekt perfekt perfekt. Der einzige Makel in seiner perfekten Lebensplanung ist die Scheidung, welche seine Frau eingereicht hat. Und gerade weil sein Leben so scheinbar perfekt ist, ist der „Absturz“ so drastisch. Jeder Rückschlag kostet Eric mehr Nerven, doch er bleibt selbst dann stehst gefasst, vielleicht zu gefasst. Auf dieser Ebene war mir Eric etwas zu wenig emotional. Der einzige Umstand der ihn wirklich zu berühren scheint, ist der Streit um seine Tochter.

Fazit

»Niemand sieht mich kommen« ist in meinen Augen ein solider Thriller mit viel Spannung und einer sehr interessanten „Killer“-Perspektive. Nur der Protagonist Eric ist mir etwas zu glatt, etwas zu beherrscht, bei all den Rückschlägen, die er verkraften muss. Der flüssige Stil, der Perspektivenwechsel und das Rätseln was, oder wer, hinter all diesen Ereignissen stehen könnte hat das Buch spannend gemacht. Insgesamt würde ich sagen, kann sich das Buch nicht in besonderem Maße aus der schieren Massen an Thrillern hervorheben. Spannung und gute Unterhaltung sind garantiert, aber es handelt sich nicht um ein Buch für meine Top-Favoriten, dafür hat mir das gewisse Etwas leider gefehlt.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar!

Links

Leseprobe →

Buchdetails

niemand sieht mich kommen_klein

 

Verlag: Aufbau Verlag / Rütten & Loening (01.06.2016)
ISBN: 978-3-352-00884-9
Preis: 14,99€ , 416 Seiten

Verlagsseite →

 

 

 

 

© Blutrot | Jamies Bücherblog 2016

 

Leave a Reply