Rezension: »So bin ich nicht« von Anneliese Mackintosh

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Inhalt:

Wie weit muss man gehen, um neu beginnen zu können?
Greta will nur Liebe, Glück, Mittag essen mit Margaret Atwood und endlich einen echten Orgasmus. Aber vor allem möchte sie ihren Vater zurück, mit dem Trinken aufhören und einmal mit der gutaussehenden Frau mithalten, die immer neben ihr auf dem Laufband läuft und T-Shirts trägt mit Schriftzügen wie »Gut ist das Gegenteil von Großartig«. Sie wünscht sich ein normales Verhältnis zu ihrer Mutter und dass ihre Schwester aufhört zu versuchen, sich umzubringen. Sie würde am liebsten nie mehr Kleidung tragen, nie wieder Fleisch essen oder Milch trinken und für radikale politische Ideen kämpfen. Sie würde gern mehr sie selbst sein. Sie würde gern weniger wollen. Denn immer wenn sie etwas erreicht, wird ihr etwas anderes genommen.

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Aufbau Verlag)

Meine Meinung

Als ich die letzte Seite gelesen habe, das Buch zugeklappt und weggelegt habe, war ich wirklich ziemlich ratlos. Was sollte ich nun über dieses Buch denken? Wie sollte ich meine Meinung formulieren, wenn sie so diffus in meinem Kopf erscheint? Dieses Buch ist bei Leibe kein stinknormales Buch, welches sich in meinen Augen, mit einer klaren Aussage bewerten lässt. Ich kann nicht sagen, dass mir das Buch super gut gefallen hat und es einfach locker leicht zu lesen war. Genauso wenig kann ich sagen, es hat mir nicht gefallen, weil es mir zu exotisch oder zu ernst gewesen wäre.

Dieses Buch ist wahnsinnig vielschichtig und ich möchte gleich zu Beginn sagen, dass man es einfach selber lesen muss um sich sein eigenes Bild zu machen. “So bin ich nicht” erzählt Gretas Leben in vielen mehr oder weniger kurzen Kapiteln, die jeweils einen Ausschnitt, einen Moment in ihrem Leben erzählen. Hinter ganz einfachen undramatischen und untheatralischen Wörtern verbirgt sich eine Geschichte die an Drama schwer zu toppen ist. Der Stil passt sich dem Inhalt an und unterstreicht ihn. Ab und zu war mir der Stil zu abgehackt, weil es teilweise viele Aneinanderreihungen gab, dennoch passt der Stil zum Geschehen und zur Stimmung.

Alles was ich erwartet habe von diesem Buch, wurde revidiert. Die Geschichte war wesentlich ernster und viel, viel fülliger als ich gedacht hätte.

Gretas Leben beginnt behütet, doch sie muss entdecken, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist. Das Buch ist auf jeden Fall keine leichte Kost und doch hat es etwas, den wahren Kern, der einen berührt.

Ein Zitat auf Seite 5, welches dem Buch vorangestellt ist, gab mir zu denken und unterstreicht seinen ehrlichen Kern:

  1. 68 % sind wirklich passiert.
  2. 32 % sind es nicht.
  3. Ich werde es nie verraten.

Zuweilen habe ich mich gefragt welche Passage wohl wirklich geschehen ist und welche frei erfunden, denn jedes einzelne Kapitel wirkt so authentisch und ehrlich.

Fazit

“So bin ich nicht” ist so voller Trauer und voller Verzweiflung und doch scheint Greta unermüdlich zu kämpfen. Dieses Debüt ist sicher kein 08/15 Roman, kein Buch, welches sich so eben weglesen lässt, sondern eines das sehr berührt und sehr zum Nachdenken anregt: über sich selbst, über Entscheidungen und das Schicksal. Ich bin sehr im Zwispalt wie ich es bewerten soll. Egal ob man es mag oder nicht, so scheint es mir doch ein sehr tiefschürfendes Buch zu sein, etwas besonderes! Mich hat es sehr ernüchtert zurück gelassen.

Buchdetails

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Verlag: Aufbau Verlag (18.04.2016)
ISBN: 978-3-351-03628-7  
Preis: 19,95€ (HC), 256 Seiten

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