Rezension: »Für einen Sommer und immer« von Julie Leuze

U_081_1A_INK_FUER_EINEN_SOMMER_UND_IMMER.inddInhalt:

Als Annikas Mutter ihr erzählt, dass sie schwer krank ist und bald sterben wird, will Annika nur noch eins: weg, und zwar schnell. Sie nimmt ihren lange überfälligen Urlaub und flüchtet sich in ein abgeschiedenes Dorf in den Südtiroler Dolomiten. Doch im Entspannen war die dreißigjährige Karrierefrau noch nie sonderlich gut, und schon nach einem Tag fällt ihr in ihrem schicken Hotel die Decke auf den Kopf. Um der erdrückenden Leere in ihrem Inneren zu entkommen, beschließt sie, sich beim Gipfelstürmen auszupowern, und nimmt sich kurzentschlossen einen Bergführer. Samuel ist vollkommen anders als alle Männer, die Annika je kennengelernt hat. Seine Liebe zu den Bergen ist mitreißend, ansteckend, und bald bemerkt Annika, dass sie mit jedem Meter, dem sie sich der Bergspitze nähert, auch ihrem eigenen Herzen näher kommt …

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Egmont Ink Verlag)

Meine Meinung

Annika ist eine ehrgeizige und erfolgreiche Karrierefrau, die in allen Bereichen ihres Lebens nach Perfektion strebt. Seien es berufliche Ziele oder nur ihr perfektes Outfit, um joggen zu gehen. Ihr Leben ist straff geplant und Gefühle lässt sie nicht zu. Abgesehen von ihrer Neigung für gutes Essen ist ihr Leben völlig leidenschaftslos. Hinter dieser strengen Fassade steckt jedoch ein ziemlich unsicherer und unglücklicher Mensch. Annika war mir von Anfang an sehr sympathisch. Nach außen hin war sie zu Beginn ziemlich kühl und mitunter fies zu den Menschen in ihrer Umgebung. Doch spätestens mit der Nachricht, dass ihre Mutter krank ist und sterben wird, knackst Annikas harte Schale.

Ihr Urlaub in den Dolomiten beginnt chaotisch. Sie ist unruhig, ungeduldig, kann sich nicht entspannen und ihr Joggingausflug endet mit einem aufgeschüften Knie. Es wird deutlich, dass sie nicht grade freiwillig in die Berge gefahren ist und es eher eine verzweifelte Flucht vor der Konfrontation mit ihren Gefühlen war. Doch das geht gehörig schief. Als sie beschließt einen Bergführer zu buchen, um die Dolomiten ein wenig zu erkunden und Samuel kennenlernt, merkt sie, dass sie ein ziemlich oberflächliches Leben führt und sie im Grunde einsam und unglücklich ist.

»Und da niemand mich vermisst und keiner was von mir will, beschließe ich, das Handy heute auf dem Zimmer zu lassen. Zum ersten Mal seit Jahren werde ich einfach nicht erreichbar sein. Ha!« Seite 14

Samuel ist, mit Herz und Seele, an die Berge und die Natur gebunden. Als Bergführer hat er seine ganz große Leidenschaft zum Beruf gemacht. Beziehungen sind bisher immer schief gegangen, da er immer nur für die Berge gelebt hat und der Rest zurück stecken musste. Zu Beginn hält Samuel Annika für eine echte Großstadtzicke, die sie ja auch ist. Sie ist abfällig und perfektionistisch, obwohl sie vom Bergwandern wirklich keine Ahnung hat.

Weit weg von ihrem Alltag, ihrem stressigen Job und ihrer besten Freundin, die Annika eigentlich nur klein hält und runter putzt, beginnt Annika über sich und ihr Leben nachzudenken und neue Prioritäten zu setzen. Samuel geht ihr unter die Haut und sie lernt eine Welt kennen, in der Gefühle gut und normal sind. In der Schwächen erlaubt sind und Tränen geweint werden dürfen.

Das Buch hat mich sehr berührt. Es war wunderschön und traurig und einfühlsam. Eine tolle Geschichte über unnötigen Perfektionismus, Gefühle, Familie und Liebe. Ein Thema war auch Annikas Beziehung zu ihren Eltern, die immer recht unterkühlt war. Ihre Eltern wollten das Beste für ihr Kind und haben es denkbar schlecht umgesetzt: Sie haben sie mit Ignoranz gestraft, wenn sie nicht perfekt war. Später an der Uni ist sie dann Helene, ihrer bald besten Freundin, über den Weg gelaufen. Einer jungen Frau, die Annikas Eltern ähnlich ist. Die Gefühle verachtet und die nach großen Karrierezielen, anstatt nach Liebe und Geborgenheit strebt.

Erst ganz zuletzt, als Annika merkt, dass der Tod ihrer Mutter unausweichlich ist und es kein Zurück mehr gibt, fasst sie sich ein Herz und versucht noch ein paar Dinge zu klären und mit ihr ins Reine zu kommen. Für mich war es ein sehr eindringliches Beispiel dafür, dass man im Leben die Dinge nicht aufschieben sollte und, dass man so leben sollte, dass man glücklich ist, ganz egal ob man dabei perfekt ist oder eben nicht. Geld und ein makelloser Lebenslauf bringen einem im Tod auch nichts mehr.

Fazit

»Weißt du, wenn du nichts um dich herum hast als Puderschnee, steile Hänge und ein paar konditionsstarke Gleichgesinnte, dann gehört die Welt wirklich dir« Seite 89

»Für einen Sommer und immer« ist eine wunderbar gefühlvolle Geschichte, die durch einen super flüssigen, lockeren und angenehmen Stil gekrönt wird. Mir hat das Buch absolut gut gefallen. Die Auflösung der Geschichte war etwas flott und etwas zu perfekt und ab und an war es schon etwas kitschig, aber es war ein Maß an Gefühl und Romantik, das einfach ideal war für diese Geschichte. Nicht dick aufgetragen, sondern einfach gefühlsbetont. Annikas innere Wandlung, die im Mittelpunkt steht, wird sehr eindringlich und nachvollziehbar erzählt und mir hat besonders Samuels Leidenschaft für die Berge das Herz höher schlagen lassen. Ein absolut goldiges Buch und Honig für die Seele!

Links

Ich habe das Buch in einer Lesrunde auf Lovelybooks.de gelesen. Hier geht es zur Leserunde →

Hier gibt’s meine Lieblingszitate aus dem Buch →

Buchdetails

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Verlag: Egmont Ink (07.04.2016)
ISBN: 978-3-86396-081-0
Preis: 14,99€, 320 Seiten

Verlagsseite →

 

 

 

 

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