Rezension: »The Other Girl« von Maggie Mitchell

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Lois und Carly May sind zwölf, als sie entführt und in einer abgelegenen Jagdhütte für zwei Monate eingesperrt werden. In diesem Sommer, unter dem wachsamen Blick des Entführers, gehen sie eine innige Freundschaft ein, die sie für immer verbinden wird. Aber nach ihrer Befreiung dürfen sie sich nicht mehr sehen und verlieren den Kontakt. Zwanzig Jahre später. Lois ist Professorin für Literatur und hat unter Pseudonym einen Roman über ihre Entführung geschrieben. Carly May kämpft in L. A. um Filmrollen und gegen den Alkohol. Bis sie ein Drehbuch in die Hände bekommt, das genau ihre Geschichte erzählt. Ihr wird die Rolle der Ermittlerin angeboten. Zufall? Es gibt nur eine Person, mit der sie jetzt sprechen will: Lois. Doch die ist nicht so leicht aufzuspüren. Nur eins ist deutlich: Die Vergangenheit ist nicht vorbei.

(Cover-, Text- und Zitatrecht: Ullstein / List Verlag)

Meine Meinung

»The other girl – Du kannst niemals ganz entkommen« handelt von zwei Frauen, Lois und Carly May, die als Mädchen entführt wurden und in ihrer gemeinsamen Zeit eine Freundschaft aufgebaut haben. Sie haben den Kontakt nach dieser Zeit verloren, doch viele Jahre später kreuzen sich ihre Wege unbeabsichtigt erneut. Lois, die ihre Erlebnisse in einem halb fiktiven Buch verarbeitet hat, bekommt die Nachricht, dass ihr Buch verfilmt werden soll. Ein riesengroßer Zufall will es so, dass ausgerechnet Carly May eine Rolle in diesem Film bekommt.

Das Buch ist aus mehreren Perspektiven erzählt, zum einen aus Lois und Carly Mays Perspektive in der Gegenwart, sowie aus der Perspektive der beiden, als sie Kinder waren und entführt worden sind. Im Laufe des Buches wird ihre Geschichte, der Entführung in mehreren Blöcken erzählt, ein Teil als Erinnerung, ein Teil als Ausschnitt aus Lois Buch über ihre Entführung. Es wird deutlich, dass die beiden Protagonisten, auch viele Jahre nach der Entführung, noch oft Berührungspunkte mit ihrer Vergangenheit haben.

Lois hat ihren Namen behalten, doch sie verbirgt genau wie Carly ihre Geschichte und hat auch nur sehr wenige Vertraute, doch nicht mal diese wissen um ihre Vergangenheit. Carly hingegen hat einen neuen Namen angenommen, ist weit weg gezogen und hat ein Leben als mäßig erfolgreiche Schauspielerin begonnen. Beide haben ihre Schwächen und Probleme mit Vertrauen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Beide erinnern sich an eine Version der Wahrheit und beide haben eine seltsam enge Beziehung zu dem Entführer aufgebaut, über den nur sehr wenig Informationen preisgegeben werden. Eine unheimliche Dreiecksbeziehung zwischen Entführer und den beiden Mädchen kristallisiert sich heraus.

Die Geschichte handelt genau von dem, was der Titel schon aussagt: Dass Lois und Carly ihr Trauma immer mit sich tragen, ob sie es nun einsehen oder nicht. Die Geschichte plätschert vor sich hin. Zu Beginn erfährt man recht wenig über die Entführung, dann nach und nach wird erzählt, was Carly und Lois erlebt haben, seit sie als junge Mädchen den Kontakt verloren haben. Dadurch, dass es so erzählt wird, wie Lois es in ihrem Buch geschrieben hat – inklusive falscher Namen – wird nicht ganz ersichtlich,was nun wirklich passiert ist und was wiederum von Lois geschönt oder in Szene gesetzt wurde. Es war interessant, wie sich das Bild von der Entführung geformt hat: Aus unterschiedlichen Perspektiven und je nachdem wem die Geschichte erzählt wurde, mit anderen Facetten. Jedoch hat mir eindeutig die Spannung gefehlt. Es gab zwei, drei Momente, an denen ich dachte, jetzt würde es endlich spannend, aber diese Momente waren auch schnell wieder vorüber.

Fazit

Das Buch war unterhaltsam, konnte mich jedoch nicht mitreißen und packen. . Ich hatte eine etwas andere Vorstellung von der Handlung. Für mich hat das gewisse Etwas gefehlt. Ich hatte während des Lesens immer die Erwartungshaltung, dass doch noch mehr passieren würde, wodurch ich mich nicht richtig auf die Geschichte einlassen konnte. Toll gemacht fand ich aber, dass mir das Gefühl vermittelt wurde, dass es keine feststehende Wahrheit gibt, sondern die Vergangenheit sich stets aus den Erinnerungen der Beteiligten zusammensetzt. Fehlt ein Beteiligter, so kann das Bild nicht vollständig geformt werden.

Buchdetails

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Verlag: Ullstein / List Verlag (26.02.2016)
ISBN: 9783471351123
Preis: 14,99€, 384 Seiten

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