Ein Roman, ein Podcast & ein Sechsfachmord

Vor ein paar Monaten habe ich in einem Podcast einen Beitrag über den Sechsfachmord am Hofe Hinterkaifeck in Oberbayern gehört. Als ich noch ein bisschen weiter recherchiert habe, bin ich auf den Roman »Tannöd« gestoßen, der sich genau diese Ereignisse zum Thema nimmt.

tannoedIn der tiefsten bayerischen Einöde: Eine ganze Familie wird in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Jetzt heißt er nur noch Mordhof, der einsam gelegene Hof der Danners in Tannöd, und vom Mörder fehlt jede Spur …

Der Mord von Hinterkaifeck, als Roman!

 

»Tannöd« ist ein Roman über die sechs Morde am Hofe Hinterkaifeck. Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten. In den 1920er Jahren wurden in der Nähe des bayerischen Dorfes Gröbern, das zur Gemeine Wangen (Heute Waidhofen) gehört, die Familie Danner und ihre Magd kaltblütig ermordet. Die fünf Familienglieder (die Eltern Andreas und Cäzilia Gruber, deren verwitwete Tochter Victoria Gabriel, die Enkel Cäzillia und Josef) und deren Magd wurden auf dem Hof von einem unbekannten Täter, allem Anschein nach mit einer Spitzhacke, erschlagen. Nach den Morden hat sich der Täter noch tagelang auf dem Anwesen aufgehalten, doch das Motiv ist unklar. Zuerst schien es nach einem Raubmord auszusehen, doch dazu würde es nicht passen, die Leichen abzudecken und ein kleines Kind (Josef war erst wenige Jahre alt), das einen nicht verraten kann, zu erschlagen.

Der Roman »Tannöd« spiegelt diese Ereignisse wider. Die Namen wurden verändert, Motive und Zusammenhänge hinzugefügt, aber im Großen und Ganzen, fand ich persönlich, wurden die Angaben recht konkret wiedergegeben.

Hoaxilla – der skeptische Podcast aus Hamburg

Und so komme ich auf den erwähnten Podcast zu sprechen: Hoaxilla – der skeptische Podcast aus Hamburg beschäftigt sich mit modernen Sagen, kulturellen Ungereimtheiten und esoterischen Themen, die aufgeklärt werden wollen und müssen!

Ein Podcast der wissenschaftlich Sagen widerlegt (oder bestätigt, wenn sie denn wahr sind!) und die Dinge skeptisch betrachtet. Ich bin ein absoluter Fan des seit 2010 bestehenden Podcasts. In einer Episode des Podcasts wurde der Fall Hinterkaifeck kritisch unter die Lupe genommen. Bis dahin hatte ich noch nie etwas von diesen, doch ziemlich heftigen, Morden gehört.

Ein Themenbereich des Hoaxilla Podcast, nennt sich Hoaxilla-Crime und beschäftigt sich mit räselhaften Verbrechen. Zu Gast in der Sendung war Lydia Benecke. Lydia ist Psychologin und schreibt selber Bücher zu psychologischen Themen, die in Zusammenhang mit Kriminalität stehen  (z.B. ihr neustes Buch »Sadisten – Tödliche Liebe – Geschichten aus dem wahren Leben«). Es war eine wirklich lange und sehr interessante Episode. Und die Kombi aus meinem Lieblings-Podcast und Lydia Benecke (die ich wirklich ziemlich super finde! :D) hat mir 2 Stunden und 18 Minuten spannende Unterhaltung geboten!

(c) privat

(c) privat

Alexa & Alexander vom Hoaxilla Podcast (c) privat

Alexa & Alexander vom Hoaxilla Podcast (c) privat

(c) Lydia Benecke

(c) Lydia Benecke

Durch diese Episode habe ich jedenfalls von dem Mordfall erfahren und fand die ganze Sache ziemlich spannend und wirklich gruselig! Irgendwann nachdem ich die Sendung gehört hatte, habe ich durch Zufall bemerkt, dass ich den Roman »Tannöd« zu Hause hatte und dass dieser genau von diesem Vorfall handelt. Coole Sache. Mit dem Wissen, welches ich aus dem Hoaxilla-Podcast im Hinterkopf hatte, habe ich nun den Roman gelesen und vieles beim Lesen wiedererkannt.

Anmerkung: Wenn ich im Folgenden über den Roman schreibe, werde ich die Namen und Orte verwenden, wie sie im Roman vorkommen, nicht die Namen der tatsächlichen Familie etc.

Meine Meinung zum Buch

Der Roman thematisiert die Morde an der Familie Danner und deren Magd, die von einem unbekannten Täter begangen worden sind. Familie Danner war schon lange Gesprächsthema und Inhalt einiger Skandale innerhalb der Gemeinde. So wurde immer wieder das Gerücht laut, der Vater, Hermann Danner und seine Tochter Barbara Spangler trieben Inzucht. So wurde auch behauptet, ihr Sohn sei der Sohn ihres Vaters und Beziehungen zwischen ihr und dem Nachbarn Georg Hauer sei lediglich da, um dies zu verschleiern. Außerdem wurden die Danners allgemein als etwas seltsam und nicht gerade gastfreundlich bezeichnet, insbesondere der Vater galt als geizig und den Mägden gegenüber aufdringlich. Eines Abends wurde die ganze Familie plötzlich ausgelöscht und einer nach dem anderen umgebracht. Dadurch, dass die Familie abgeschieden gelebt hat, sind die Morde erst Tage später ans Licht gekommen.

Das Gruseligste an diesem heftigen Mord, der in meinen Augen von ganz schön viel Wut spricht, war, der seltsame Umstand, dass der Mörder sich noch tagelang auf dem Hof herumgetrieben haben muss. Das Vieh wurde versorgt, der Hund mal raus gelassen, mal rein geholt. Tore standen offen und wurden geschlossen. Besonders der Mechaniker, der kurz nach dem Mord auf dem Hof gearbeitet hat, hat von diesen seltsamen Begebenheiten berichtet. Also ich finde die Vorstellung, mich auf diesem Hof aufzuhalten und nichts zu ahnen, während der Mensch, der für sechs brutale Morde verantwortlich ist sich auf dem Hof herumtreibt, schon ziemlich, ziemlich Furcht einflössend. Es ist ja nicht so, als ob der Mörder sich bedeckt gehalten hätte. Er hat sich auf jeden Fall auf dem Hof bewegt, während der Mechaniker seiner Arbeit nachgegangen ist. Wer macht denn so was?!

Stil & Aufbau

Der Roman ist aufgebaut, wie eine Art Verhör von Zeugen. Personen aus dem Umfeld der Familie berichten über die Umstände in denen die Familie gelebt hat, ihre Beziehungen und Ansichten, was sie gehört haben und was sie vermuten. Zwischendurch wird auch aus der Sicht der Barbara Spengler geschrieben. Die Sprache und der Stil sind einfach, aber authentisch. Welche Motivation der Fragende jedoch vertritt ist nicht offensichtlich. Es könnte ein Zeitungsreporter sein, der die Menschen befragt, oder ein polizeiliches Verhör, welches die Absicht hat, den Schuldigen zu finden. Man weiss es nicht. Darüber hinaus gibt es einige Passagen, in denen eine Art Gebet abgedruckt ist. Wahrscheinlich sind diese Passagen aus der Sicht der alten Danner geschrieben. Ihre Person ist ziemlich passiv, sie handelt weder bei dem Missbrauch ihrer Tochter, noch bei dem Verhalten ihres Mannes gegenüber der Magd. Diese Passagen drücken in meinen Augen ziemlich gut ihre Handlung aus. Sie schiebt die Verantwortung auf einen Gott ab, der es schon richten wird, anstatt selbst in die vorhandenen Umstände einzugreifen.

Viele Situationen sind in der wahren Geschichte so überliefert, wie sie im Roman dargestellt wurden. Zum Beispiel wird erzählt, wie die neue Magd Maria Meiler erst wenige Tage vor dem Mord auf dem Hof zu arbeiten angefangen hat. Die Umstände, wie die sechs Menschen ermordet wurden, welche Tatwaffe  womöglich verwendet wurde und wie die Leichen letzten Endes gefunden wurden, dies wurden im Roman sehr ähnlich dargestellt.

Doch andere Teile der Geschichte wurden verändert. So wurde die Geschichte aus den 20er Jahren in die 50er Jahre verlegt. Und ich muss sagen, dies hat mich etwas verwirrt, da im Roman auf „den Krieg“ eingegangen wurde und da war dann der zweite Weltkrieg und nicht der Erste gemeint. Außerdem wurde auch der Ort durch die fiktive Einöde „Tannöd“ ersetzt.

Der Mörder

Im Mordfall Hinterkaifeck gibt es bislang keinen eindeutigen Mörder, trotz vieler Theorien und möglicher Motive gibt es keine Beweise, die einen Mörder überführen könnten. Durch diese Tatsache, hat der Roman bei mir einen seltsamen Beigeschmack bekommen. In dem Roman wurde der Nachbar Georg Hauer (der auf der Person Lorenz Schlittenbauer basiert) als der Mörder der Familie dargestellt. Dies ist natürlich etwas problematisch, wenn man bedenkt, dass es zwar möglich wäre, aber er nie überführt wurde.

Fazit

Der Roman Tannöd, ist ein kurzes, knappes Buch über den Mord von Hinterkaifeck. Ein wirklich spannendes Ergeignis, das hier in Deutschland seinen Schauplatz hat. Ich kann nur empfehlen, die Episode Hoaxilla #190 – ‚Der Mordfall Hinterkaifeck – HOAXILLA Crime‘ aus dem Hoaxilla Podcast zu hören und dann den Roman zu lesen, da ich es einfach sehr spannend fand den Roman mit etwas Vorwissen zu lesen. Gänsehaut ist garantiert!

Links

Hier findet ihr die Episode ‚Der Mordfall Hinterkaifeck‘ aus dem Hoaxilla Podcast →

Zur Verlagsseite zum Roman »Tannöd« geht es hier lang →

 

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