Short Review: Tage der Toten von Don Winslow

Tage der Toten_gross_jpgMit großem Tatendrang hat sich der US-Drogenfahnder Art Keller daran gemacht, in die Strukturen der mexikanischen Drogenmafia einzudringen – mit Erfolg. So viel Erfolg, dass die Drogendepots reihenweise auffliegen und die Narcotraficantes die Jagd auf ihn eröffnen. Nachdem sein Mitarbeiter von den Gangstern zu Tode gefoltert wurde, schwört Art Keller Rache und startet einen gnadenlosen, blutigen Feldzug gegen die Drogenbarone. Zu spät bemerkt er, dass er sich damit neue Feinde macht – und die sitzen in Washington.Was als »Iran-Contra-Affäre« in die Geschichte einging, erlebt Keller als gigantisches Drogen-, Geldwäsche- und Waffengeschäft. Vor die Wahl gestellt, seiner Regierung zu dienen oder seinem Gewissen zu folgen, trifft er eine einsame Entscheidung – und stößt dabei auf unverhoffte Verbündete.

(Cover-, Text- und Zitatrechte: Suhrkamp Verlag)

Meine Meinung

Der Roman Tage der Toten ist bereits 2010 im Suhrkamp Verlag erschienen und liegt seit fast 5 Jahren auf meinem SuB. Erst mal abstauben!

Der Roman handelt vom Kampf gegen den Drogenhandel in Mexiko und den Export nach Amerika. Ein Absolutes Epos rund um Gewalt, Drogen, organisierte Kriminalität, blutrünstige Rache, Liebe und Familie, Ehrgeiz und Besessenheit.

»Sie hält ihr totes Baby in den Armen.« 1. Satz, Seite 9

Zu Beginn hat sich das Buch etwas gezogen. Die vielen mexikanischen Namen, die vielen Konflikte in die man direkt hineingeworfen wird. Die verschiedensten Parteien die involviert sind, die mexikanische Regierung, die amerikanische Drogenbehörde, die CIA, die Mafia, die mexikanische Polizei, Drogenhändler, Handlanger, Spitzel und Betrüger. Dieses unglaublich verzweigte Handlungsgebilde erschien mir am Anfang einfach zu viel, zu kompliziert. Es konnte mich zuerst nicht packen, doch auf der anderen Seite hat mir die Art wie das Buch geschrieben ist, so realistisch, so gut durchdacht und wahnsinnig umfassend, dann doch imponiert und nach und nach hat es mich in seinen Bann geschlagen.

Der DEA Agent Art Keller geht in seinem Job auf, mit viel Ehrgeiz geht er daran die Drogenmafia in Mexiko zur Strecke zu bringen, doch er ahnt nicht welche Ausmaße und wie umfassend das Netz ist, dass die Drogen spinnen. Er wird reingelegt und entscheidet sich seinen Fehler wieder gut zu machen, Rache zu nehmen und begibt sich auf einen blutigen Weg voller Verluste, Gewalt, wilder Iren, heftigen Auseinandersetzungen, ausgeklügelter Aktionen, einem Netz aus Drogen, Korruption, Betrug, Erpressung, Morde, Angst und Schrecken.

Ich lese kaum Bücher, deren Handlung politische Belange streifen. Doch dieses Buch, das die amerikanische und mexikanische Politik anpackt war wirklich spannend. Ein wirkliches Epos, das sich in vielerlei Hinsicht weit erstreckt: Länderübergreifend, verschiedenste Blickwinkel, vom Drogenboss, über die Edelnutte und einem irischen Killer bis zum Priester, Straftaten aller Art und in allen Ausmaßen, Jahre vergehen und Charaktere entwickeln sich.

Die Charaktere in diesem Buch sind wahnsinnig vielfältig und jeder einzelne ist außerordentlich ausgearbeitet. Kein Charakter ist platt oder scheint künstlich, sondern jeder hat eine Geschichte, eine Vergangenheit, Träume, Wünsche, Schwächen, Absichten und Stärken. Es gibt welche, die einem richtig zuwider sind und mit anderen fühlt man mit. Der Charakter der mir am meisten Gefallen hat, ist der des Sean Callan, einem Iren, der in Hell’s Kitchen aufwächst und ziemlich früh in die Welt von Drogen und Gewalt eintaucht. Ein Junge der eigentlich aus Zufall in eine ganz schöne große Sache reingeschlidert ist.

Fazit

Das Buch ist so wahnsinnig vielschichtig und bringt einen zum Nachdenken. Es ist kompliziert und düster und beängstigend und so detailreich, dass man sich ins Geschehen hineinversetzt fühlt. Das Thema „Drogenkrieg“ war für mich nicht mal so interessant, für mich ist das Buch besonders, weil der Autor es geschafft hat so eine realistische Atmosphäre aufzubauen und ein spannendes Netz zu spinnen aus Charakteren und Konflikten, dass ich als Leser Art Kellers Weg bis zum Ende verfolgen wollte. Der Drogenkrieg ist das umfassende Thema, doch die vielen Nebenschauplätze machen das Buch lebendig.

Weitere Infos zum Buch und eine Leseprobe findet ihr auf der Seite des Suhrkamp Verlag →

 

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