Rezension: »Töte ihn, dann darf sie leben« von Freda Wolff

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Ein perfides Spiel: Kann man wirklich seinen Mann töten – um die Tochter zu retten?

Die Psychologin Merette Schulman und ihr Exmann, der Polizist Jan-Ole nehmen eine Auszeit auf einer einsamen Hütte in der Wildnis Norwegens. Doch schon in der ersten Nacht wird Jan-Ole bei einem Überfall schwer verletzt. Während er bewusstlos im Krankenhaus liegt, erfährt Merette: Aksel, einer ihrer früheren Patienten, ist aus der Forensik ausgebrochen. Merette ist überzeugt, dass er für den Überfall auf Jan-Ole verantwortlich ist. Noch am selben Tag erhält sie von ihm eine SMS mit einem Foto ihrer Tochter Julia. Kurz darauf folgt eine weitere Nachricht: „Töte ihn, dann darf sie leben.“ Quelle: Aufbau Verlag →

 (Cover-, Text- und Zitatrechte: Aufbau Verlag)

Die Autoren

Hinter dem Pseudonym »Freda Wolff« verbirgt sich das das deutsche Autorenduo Ulrike Gerold und Wolfram Hänel die unter diesem Namen ihre Skandinavien-Thriller veröffentlichen. Die Autoren, die unter anderem Germanistik und Theaterwissenschaften studiert haben, arbeiten heute in Hannover, seit über 20 Jahren schreiben sie gemeinsam an verschiedensten Werken »ohne sich dabei mehr zu streiten als unbedingt nötig« (Freda Wolff, Website →)

Zusammenfassung

»Töte ihn, dann darf sie leben« ist die Fortsetzung des Buches »Schwesterlein muss sterben«, welches ich im letzten Jahr gelesen habe und von dem ich wirklich sehr angetan war! Nun musste ich natürlich auch den nächsten Band lesen, da das Cover und die angekündigte Story wirklich wieder super spannend klangen. Wer mehr über das Buch »Schwesterlein muss sterben« erfahren und meine Meinung lesen will, findet Hier → meine Rezension. Beide Bücher handeln in Norwegen und Schweden.

In »Schwesterlein muss sterben« nimmt die Psychologin einen neuen Patienten an. Aksel ist ein junger Mann, mit eindeutig soziopathischen Zügen, der Merette schon in der ersten Sitzung Anhaltspunkte dafür gibt, dass er in seiner Jugend seine Stiefschwester ermordet haben muss. Aksel beginnt ein perfides Machtspiel mit seiner Psychologin und erkennt schnell, dass Julia, Merettes Tochter, ihre Schwachstelle ist. Nur kurze Zeit später berichtet Julia von einem neuen Mann, den sie kennen gelernt hat. Merette ist entsetzt: könnte es sein, dass Aksel und Julias neuer Freund ein und derselbe ist? Oder macht sie sich bei dem neuen Patienten selber verrückt? Verliert sie den professionellen Abstand?

Wenig später verschwindet Julias Freundin Marie und auch von Aksel hört sie nichts mehr, er erscheint nicht mehr zu seinen Terminen in ihrer Praxis. Getrieben von der Sorge um ihre Tochter und um Marie beginnt sie Nachforschungen anzustellen. Sie recherchiert über Aksels Vergangenheit und erfährt Schreckliches: Es gab schon oft Badeunfälle, in denen junge Frauen starben, als Aksel sich an diesen Orten aufgehalten hat. Kann es sein, dass wirklich Aksel hinter diesen Unfällen steckt? Und werden Marie und Julia seine nächsten Opfer sein?

»Töte ihn, dann darf sie leben«, ist Aksels Comeback. Er bricht aus der forensischen Psychiatrie aus, in der er seit seiner Verurteilung einsitzt, um Merettes Leben zu zerstören. Er gibt ihr alle Schuld für seine Situation und will ihr nun seine Macht über sie demonstrieren, um endlich wieder frei zu sein und um endlich wieder die Kontrolle zurück zu erhalten. Nach seinem Ausbruch muss er feststellen, dass Merette und ihr Mann im Urlaub sind und so folgt er ihnen und trifft dabei zufällig auf Julia und Marie, die ebenfalls in den Urlaub wollen. Er folgt ihnen und denkt sich ein widerliches Experiment aus: Er stellt Merette vor die Wahl: Julia oder ihr Mann Jan-Ole. Tötet sie Jan-Ole, dann darf Julia weiterleben, tötet sie ihn nicht, wird Julia sterben. Um seine Drohung zu verdeutlichen schickt er ihr einen Schnappschuss von Julia.

Zwischenzeitlich wacht Merette in ihrer Ferienhütte auf und muss feststellen, dass Jan-Ole verschwunden ist. Zuerst nimmt sie an, er wäre nur kurz raus gegangen, doch bald findet sie Jan-Ole, niedergeschlagen mit einer ernsten Kopfwunde. Sie schafft es Hilfe zu holen und bald sind sie im Krankenhaus in Kristiansand und Merette ringt mit sich selbst, was sie nun machen soll bezüglich Aksels Drohung.

Meine Meinung

Die Charaktere

Die wichtigsten Charaktere: Merette, Jan-Ole, Julia und auch Aksel, waren mir schon aus dem ersten Band bekannt. Merette, die selbstständige, aufrechte Psychiaterin die mit ihrem Mann Jan-Ole nach jahrelanger Trennung einen Neuanfang wagt und versucht sich von den Schrecken zu erholen, die sie durch Aksel erleben musste. Jan-Ole ist Polizist, sehr logisch, beherrscht und strategisch, er und Merette konnten sich nie ganz gehen lassen, und Julia ist für ihn wie seine eigene Tochter, obwohl er nicht der leibliche Vater ist.

Julia und Marie, die im ersten Band von Aksel entführt und misshandelt wurden, sind auf dem Weg der Besserung, auch wenn sie noch viel vor sich haben, denn die Angst sitzt tief, und der Umstand dass Aksel immer noch lebt und so die Möglichkeit besteht, dass er eines Tages wieder an sie ran kommt, macht ihnen schwer zu schaffen. Um sich zu erholen, haben die beiden mit ihrem Therapeuten ausgemacht, dass sie ohne Kontakt zu den Eltern in Urlaub fahren, sich entspannen und endlich mal wieder ein Stückchen Selbstbewusstsein zurück erlangen.

Wendungen

Das Buch fängt mit der erwarteten Handlung, die der Klappentext bereits verspricht, an. Ich habe das bekommen, was ich erwartet habe. Merette wird vor die Wahl gestellt. Eine unmögliche Wahl: ihr Mann oder ihre Tochter. Aksel, der bekannte Bösewicht schlägt wieder zu und er ist, trotz seines Wahns intelligent und sehr gefährlich. Doch bald tun sich Ungereimtheiten auf. Als sich herausstellt, dass Julia nicht in Norwegen, sondern in Schweden ist, wird klar, Aksel kann nicht den Überfall auf Jan-Ole verschuldet haben und zugleich bei Julia in der Nähe sein. Hat er einen Komplizen?

Derweil ist Jan-Ole kein Unbekannter in Kristiansand. Er wird wiedererkannt, denn vor zehn Jahren war er bereits einmal hier und hat in einem Fall eines Mordes an einem jungen Mädchen ermittelt. Die Handlung nimmt eine ganz schöne Kehrtwende und ein neuer Handlungsstrang verrät, was sich damals zugetragen hat. Dies war die Zeit als Jan-Ole und Merette getrennte Wege gingen und so muss auch Merette einiges Neues aus Jan-Oles Vergangenheit erfahren. Im ersten Moment war mein Gedanke, dass das Buch ganz schön abschweift, und was das nun eigentlich soll, denn es geht doch um Aksels Drohung. Und tatsächlich wird weit ausgeholt, doch wenn sich die Handlungsstränge wieder zusammenfinden, wird klar, dass das Buch mehr zu bieten hat, als die nur die Fortsetzung von Aksels Wahnsinn.

Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich aber sagen, dass der Übergang der beiden Handlungen in einander, in meinen Augen etwas holprig war. Aksel war bisher, trotz seiner psychischen Verfassung, ein kluger und berechnender Charakter, der nicht zögert seine Drohungen in die Tat umzusetzen. Nun jedoch lässt er auf sich warten. In der Zwischenzeit beginnt die neue Handlung und die Entscheidung die Merette fällen muss bleibt vorerst ohne Konsequenzen. Im Nachhinein wird klar, wie beides zusammen passt, doch die Frage bleibt ob mir das Geschehen als interessante Wendung gefällt oder ob mit die Überleitung von Aksels Ausbruch zu Jan-Oles Vergangenheit und zurück in die Gegenwart zu konstruiert erscheint.

Fazit

Das Buch hat, wie auch sein Vorgänger ein wunderschönes, düsteres Cover passend zu Band 1. Es ist ein festes Hochglanz-Cover, das, wenn man das Buch in der Hand hält erst richtig zur Geltung kommt. Mir gefällt es sehr gut. Ich war nach »Schwesterlein muss sterben« sehr gespannt, wieder etwas über Merette zu lesen, denn der Charakter ist meiner Ansicht nach dem Autorenduo Freda Wolff, sehr gelungen. Eine starke interessante Figur, die alles daran setzt, ihre Familie zu schützen. Das Buch hat sich wirklich unerwartet entwickelt und hat mich beim Lesen schon vor die Frage gestellt, was das alles soll und warum hier so abgeschweift wird, aber als ich es beendet hatte, war es rückblickend sehr spannend. Mir persönlich ging es so, dass der erste Teil »Schwesterlein muss sterben« ein Hauch spannender war, aber auch der zweite Band ist sehr lesenswert! Fans von nordischen Thrillern, sollten sich das Buch wirklich mal näher ansehen.

Buchdetails

Schwesterlein muss sterben - Freda Wolff

 

»Schwesterlein muss sterben«

Verlag: Aufbau Verlag 2013
Klappenbroschur: 400 Seiten
ISBN: 978-3-352-00874-0
Preis: 14,99€
Verlagsseite →

 

 

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»Töte ihn, dann darf sie leben«

Verlag: Aufbau Verlag 2015
Klappenbroschur: 384 Seiten
ISBN: 978-3-352-00674-6
Preis: 14,99€
Verlagsseite →

 

 

 

© Blutrot – Jamie’s Bücherblog 2015

 

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