Rezension: »Ein ganzes halbes Jahr« von Jojo Moyes

moyesErdbeereZwei Lesen… »Ein ganzes halbes Jahr« von Jojo Moyes ist beendet und hat mir sehr viel Freude gemacht! Ich habe das Buch zusammen mit meiner Freundin Danny (dtnbx →) gelesen und wir haben es beide regelrecht verschlungen! Eigentlich wollten wir eine Leserunde mit allem drum und dran machen: Aufgaben, kapitelweisen Besprechungen und was es sonst noch gibt (Wir haben sogar Mind Maps erstellt und gemeinsam gebrainstormt!), aber das Buch war so spannend und fesselnd und mitreißend und wunderbar gefühlvoll, dass wir uns einfach nicht beherrschen konnten!

Ich hatte das Buch schon eine Weile im Blick, da es ja in diversen Medien ziemlich angeprisen wurde, aber bisher hatte ich gar nicht so den Reiz verspürt das Buch zu lesen, ich hatte es mir eher für irgendwann einmal aufgeschrieben. Als ich dann mit Danny ein Buch lesen wollte, sind wir dann genau auf dieses Buch gestoßen und ich bereue es nicht!

Ich fand es toll mit einer Freundin, dieses Buch zu lesen, denn es ist super wenn man jemandem vorschwärmen oder jemanden vollheulen kann – je nachdem – und sich einfach über so ein tolles Buch austauschen kann. Ich hoffe doch, dass Danny noch mal Lust hat ein Buch mit mir zusammen zu lesen!

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Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt.
Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.

Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.

Eine Frau und ein Mann.

Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen.
Die Liebesgeschichte von Lou und Will.

(Cover-, Text- und Zitatrechte: Rowohlt Verlag)

Dieses Mal will ich die Runde Zwei lesen… »Ein ganzes halbes Jahr« nicht mit einer klassischen Rezension beenden sondern mit fünf Fragen die ich Danny gestellt habe und fünf Fragen die Danny mir gestellt hat. Dannys Fragen und meine Antworten findet ihr in diesem Beitrag und andersherum – meine Fragen und Dannys Antworten – veröffentlicht Danny auf ihrem Blog.

Fünf Fragen – Fünf Antworten

1. Man soll Beziehungen zwar nicht miteinander vergleichen, denn jede ist anders, aber: Wie unterscheidet sich die Beziehung zwischen Lou und Patrick zu der von Lou und Will?

Zu erste einmal, Patrick kann ich ja mal gar nicht leiden! :D Die Beziehung von Lou und Patrick ist geprägt von Routine, sie leben aneinander vorbei und haben kaum noch gemeinsame Interessen, geschweige denn Interesse aneinander. Ich denke in den sieben Jahre Beziehung, die sie zusammen sind, haben sich Lou und Patrick stark voneinander weg entwickelt, bzw. Patrick hat sich von Lou entfernt, denn so wie es beschrieben wurde, hatte Lou sich bis dato nie wirklich Gedanken gemacht, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Für sie war das eine klare Sache: Im Café arbeiten, Patrick heiraten und ein oder zwei Kinder bekommen. Ihre Familie und auch Patrick haben sie stets auf ihre Mängel hingewiesen, aber nie den Versuch unternommen sie zu fordern über ihren Horizont zu schauen. Lou denkt selber darüber nach, dass sie den „alten“ Patrick, der etwas faul und mollig war, der aber Zeit für sie hatte, lieber hatte als den „neuen“ Patrick, der sein ganzes Leben seinem Sport widmet und für den Lou eigentlich nur noch eine geringe Rolle spielt. Genauso ist es nun auch für Lou, sie kann eigentlich gar nichts mehr mit Patrick anfangen, nur die Gewohnheit hält sie zusammen.

Als sie Will kennen lernt, lernt sie gleichzeitig eine vielfältig andere Welt kennen. Abgesehen davon, dass Will aus einer sehr wohlhabenden Familie kommt, deren finanzielle Mittel es ihm erlaubt haben, zu tun und lassen was er will, ist Will auch selbst ein ehrgeiziger Mensch gewesen, der gerne Abenteuer erlebt hat, sich stets neuen Herausforderungen gestellt hat, sowohl privat und zum Vergnügen, wie auch beruflich. Er hat die Welt entdeckt und bereist und das Leben gelebt, das er sich selber gewünscht hat. Nun sitzt er im Rollstuhl, ist vom Hals abwärts gelähmt und ist festgekettet in seinem Geburtsort und dennoch ist er es, der Lou dazu bringt Neues zu entdecken, der sie fordert und nicht damit durch kommen lässt, sich auf der Meinung anderer auszuruhen. Ich finde die Beziehung zwischen den beiden wunderbar und süß. :3

2. Inwiefern hat sich deine Ansicht zu Wills Charakter im Laufe des Buches geändert?

Ganz zu Beginn des Buches wird von Wills Leben in London erzählt. Er ist erfolgreich im Job, hat eine tolle Wohnung, macht super Urlaub. Er ist mit einer hübschen Frau zusammen. Alles scheint perfekt, sagt aber im Grunde wenig über Wills Charakter aus. Ist er ein reicher Schnösel? Oder wirklich ein ehrgeiziger, abenteuerlustiger, junger Mensch? Hat sein Leben Tiefgang oder ist es von Familie und Geld vorbestimmt?

Dann passiert der Unfall und Wills Welt wird auf den Kopf gestellt. Von einer Sekunde auf die andere wird er zum Pflegefall, kann sich nicht mehr selber ernähren, waschen, anziehen oder gar verreisen. Erst hier zeigt sich meiner Meinung nach Wills Charakter, wenn auch der Unfall ihn verändert haben mag. Er ist zynisch und sarkastisch, schlecht gelaunt und oft griesgrämig, aber kann man es ihm verübeln? Ich glaube was er am meisten vermisst und was ihn am meisten ausmacht, ist sein Mut und sein Wille Grenzen auszuprobieren, Abenteuer zu erleben, die Welt erkunden zu wollen und Neues kennen zu lernen und grade das ist es, was der Unfall ihm genommen hat und weshalb er seinen Zustand als Tetraplegiker nicht akzeptieren kann. Meine Ansicht hat sich insofern geändert, als das ich Will vielleicht nach und nach etwas mehr verstehen konnte. Etwas mehr nachvollziehen konnte. Am Anfang dachte ich mir, es muss doch einen Weg geben jemandem das Leben wieder schmackhaft zu machen, aber später dachte ich mir, wessen Entscheidung ist es eigentlich zu bestimmen, ob das Leben für jemanden noch schmackhaft ist?

3. Was denkst du über Wills Einstellung?

Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, ich würde genauso denken! Ich kann mir nicht vorstellen wie es sein muss vom Hals abwärts gelähmt zu sein, von Heute auf Morgen sieht dein Leben ganz anders aus und bei einfachsten Tätigkeiten brauchst du plötzlich Hilfe. Dazu kommen auch noch die Schmerzen, Anfälligkeiten für Krankheiten, usw. Ich denke in so einer Situation, würde ich auch den Mut bzw. den Willen verlieren weiter zu leben. Ich denke Wills Entscheidung Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen ist durchaus berechtigt, so schlimm es auch für die Angehörigen sein mag. Weiterhin glaube ich, dass das ständige bevormundet werden Wills Situation und seine Gedanken bestärken. Er wird abgestellt vor dem TV, weil er das ja zu mögen scheint, ihm wird empfohlen was er zu tun und zu lassen hat, er soll kaum noch eigene Entscheidungen treffen, doch dieser letzte Entschluss, sein Leben zu beenden, ist ein letzter Akt seines eigenen Willens.Trotzdem sollte man eine Weile damit Leben um sicher zu sein und nicht aus dem Affekt heraus so eine Entscheidung zu treffen.

4. Was hat dir an dem Buch am Besten gefallen?

Schwer zu sagen, was mir am Besten gefallen hat, denn das Buch hat wirklich viele Aspekte die berühren und bewegen! Wills Unfall ist eine wirklich schlimme Sache und gar nicht Mal unrealistisch. Will wird von einem Motorradfahrer erwischt, erleidet eine Wirbelsäulenverletzung und ist seither ab dem Hals abwärts gelähmt. Wie oft passiert so ein Unfall wohl? Wie oft am Tag wird ein Leben umgekrempelt und eine Familie erschüttert? Aber trotz dieses Themas ist das Buch wirklich schön und ich finde besonders Wills und Lous Beziehung am aller schönsten und das Detail, dass sie sich auf macht einem Fremden den Lebenswillen wieder zu geben. Mich hat das Buch ein bisschen an den Film „Ziemlich beste Freunde“ erinnert, in dem der Pflegehelfer Driss dem Tetraplegiker Philippe mit seiner unverblümten und direkten Art neuen Lebensmut gibt.

Auch in „Ein ganzes halbes Jahr“ macht es sich Lou zur Aufgabe Will von seinem Plan abzubringen sich das Leben zu nehmen und ihm neuen Mut zu machen. Eine Stelle gefällt mir dabei am besten. Es ist Lous erster Versuch Will aus seinen vier Wänden zu bekommen: Lou organisiert ein Besuch beim Pferderennen. Ein wohlhabender junger Mann wie Will muss schließlich Pferderennen mögen! Beim Ausflug dann geht jedoch so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Der Rollstuhl bleibt im Matsch stecken, es regnet und sie lassen sie nicht ins Restaurant, weil sie nicht das richtige erste Klasse Ticket haben. Erst danach merkt Lou, was sie falsch gemacht hat: Sie hat Will nicht nach seiner Meinung gefragt. Sie hat ihn bevormundet, genau wie alle anderen. Es kommt zum Streit und sie merkt, was eigentlich Sache ist in Wills jetzigem Leben. An diesem Punkt, denke ich, beginnt sie ihn zu verstehen. Es war toll beim Lesen zu merken, wie sich die Beziehung der beiden ganz langsam und zart entwickelt und entfaltet.

5. Wie war dir zumute als du die letzte Seite gelesen und das Buch zugeklappt hast?

Als ich das Buch beendet hatte, hatte ich ganz schön Tränen in den Augen! Ich musste mich wirklich zusammen reißen nicht los zu weinen. Es war traurig und bittersüß, wie ich es eigentlich erwartet hatte und ich bin sehr zufrieden, dass das Buch dieses traurige aber perfekte Ende hatte. Perfekt ist jetzt etwas seltsam ausgedrückt in Anbetracht der Umstände, aber was ich meine ist, dass das Buch so schön und so authentisch war, dass ein völlig überzogenes, kitschiges Happy End wohl der bisherigen Handlung nicht gerecht werden würde. Es war herzzerreißend und traurig und schön. Ich habe mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Buch zurück geschaut.

Links

Hier geht’s zur Verlagsseite: »Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes« →

Und ganz wichtig:

Hier findet ihr Dannys Beitrag auf ihrem Blog: dtnbx – Ein Blog über Essen, Alltag & alles Mögliche ♥

 

© Blutrot – Jamie’s Bücherblog 2015

 

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