Rezension: »Terror« von Dan Simmons

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»England im Jahr 1845: Unter dem Kommando von Sir John Franklin brechen die modernsten Schiffe ihrer Zeit – die „Terror“ und die „Erebus“ – auf, um die legendäre Nord-West-Passage zu finden: den Weg durch das ewige Eis der Arktis in den Pazifik. 130 Männer nehmen an der Expedition teil. Keiner von ihnen wird je zurückkehren. Dies ist ihre Geschichte.«

(Cover-, Text- und Zitatrechte: Heyne Verlag)

Meine Meinung

Ein gigantischer, unfassbarer historischer Roman.  »Terror« ist ein ziemlich dicker Schinken mit knapp 1000 Seiten ein ausgewachsender Wälzer und am Anfang dachte ich, wie will Simmons nun diese 1000 Seiten Füllen ohne langweilig zu werden, aber er hat es geschafft! Besonders gefesselt hat mich der unglaubliche Detailreichtum dieses Buches. Die Hintergründe und der Kontext wirken unglaublich gut recherchiert. Beim Lesen wird einem das Gefühl vermittelt, dass der Autor wirklich viel Zeit und Arbeit in die Recherche zu den Hintergründen des Buches investiert hat. Und das ist mir bei einem Buch sehr wichtig.

»Terror« erzählt die Geschichte der Sir Franklin Expedition, die 1845 mit zwei Schiffen, der HMS Erebus und der HMS Terror von Kanada aufgebrochen ist um die Nord-Westpassage zu entdecken. Aufgebrochen voller Mut und der Absicht ehrenvoll neue Gebiete für die Krone von Großbritannien zu erschließen und den kürzesten Weg zwischen Europa und Asien zu finden. Das Ende dieser Expedition war verheerend. Beide Schiffe sind im Eis eingefroren und die Besatzung verschollen. Simmons erzählt die Geschichte dieser Männer, die sich in wildes unbekanntes Terrain aufgemacht haben. Die Expedition basiert auf wahren Begebenheiten.

Ich kann mir nicht mal vorstellen, auf ein Schiff zu steigen, dass sich in unbekannte Teile der Welt aufmacht und das für mehrere Jahre. Der Vorrat an Essen und Trinken reicht für drei Jahre. Die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Skorbut und andere Krankheiten sind kaum erforscht und man kann sie noch nicht wirklich behandeln. Der Platz an Deck ist begrenzt und du bist als Seeman eingepfercht in deine enge Hängematte. Die Temperaturen Richtung Nordpol sind erschreckend und die Kleidung hält die Kälte nur geringfügig in Schach. Du weißt schlicht nicht ob du zurück kehrst oder ob diese Expedition dein Grab ist. Welche Motive hatten die Männer? Abenteuer, Ehre, Geld? Wäre ich damals mit gefahren? Diese Frage habe ich mir beim Lesen immer wieder gestellt. Dan Simmons nimmt einen mit in eine Reise ins 19. Jahrhundert. Er schildert sehr genau und eingängig die Verhältnisse an Bord der Schiffe die Rangfolge der Expeditionsteilnehmer und ihre Aufgaben. Die medizinischen Verhältnisse, die Rationierung und Zubereitung der Mahlzeiten. Die Entscheidungen die die Kapitäne für ihre Schiffe treffen. Die Eskimos / Inuits und ihr Überleben in dieser unwirtlichen Welt… ich könnte noch lange so weiter machen, denn dieses Buch hat es in sich. Es ist so detailreich und es besitzt sogar einen langen Anhang mit Begriffen rund um die Seefahrt, mit Eskimobegriffen und Erklärungen. Die vielen vielen Beteiligten der Expedition: Kapitäne, Offiziere, Seeleute bis hin zu den Schiffsjungen haben ihre eigene Geschichte, ihen eigenen Charakter.

Ich will nicht zu viel verraten aber nach den ersten paar Hundert Seiten ist man so niedergeschlagen und weiß einfach nicht mehr wie es weiter gehen soll und dann zaubert Simmons noch mal 4-5-600 Seiten aus dem Hut und man ist wirklich fasziniert wie umfangreich das Buch ist und wie es Simmons schafft über tausend Seiten den Leser was zu bieten. Bei manchen wirklich guten historischen Roman kommt irgendwann der Punkt wo ich mich ein wenig langweile, weil es sich einfach hinzieht und nichts neues passiert, bei »Terror« ist es anders, wenn man denkt jetzt muss es doch langweilig werden -und manchmal ist es auch etwas langatmig- schafft es Simmons eine Wendung einzubauen und man will direkt weiter lesen. Hach ja.

Neben einem Historischen Roman hält dieses Buch noch weitere Überraschungen für den Leser auf Lager, nicht immer geht es mit Realistischen Begebenheiten zu sich, manchmal führt dieses Buch einen auch in eine ganz andere Welt. Aber ich schweige!

Man muss jedoch sagen, dass das Buch nicht unbedingt was für schwache Nerven ist und keine leichte Lektüre für zwischendurch. Es liest sich sehr flüssig aber auf Grund der Komplexität sollte man schon den Überblick behalten. Inhaltlich ist das Leid, das die Männer der Expedition erdulden müssen auch nicht ohne und in manchen Szenen friert man einfach mit oder fühlt sich einfach richtig elend. Aber dies wiederum zeigt auch die Qualität des Buches, finde ich.

Fazit

6 Sterne – Herausragend! Ich habe lange kein Buch mehr gelesen mit einem solchen Detailreichtum und so einer Komplexen Welt. Der Stil und die Handlung sind außergewöhnlich gut.

Bewertung

Kategorie:
Punkte:
Charaktere 6 von 6
Idee 4 von 4
Handlung 6 von 6
Spannung 4 von 4
Sprache 2 von 2
Kontext 4 von 4
Cover 2 von 2
Gesamt: 27 von 28

27Punkte = 6 Sterne

Buchdetails

»Terror«

Originaltitel: »The Terror«
Autor: Dan Simmons
Verlag: Heyne Verlag (1. Dezember 2008)
Flexibler Einband: 992 Seiten
ISBN: 978-3-453-40613-1

© Blutrot – Jamie’s Bücherblog

 

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