Rezension: Schwesterlein muss sterben

„Du wirst jetzt schwimmen lernen“, sagt er. „Schwesterlein muss schwimmen können, sonst stirbt sie.“

»Bergen in Norwegen. Merette Schulman liebt ihren Beruf als Psychologin – bis sie an Aksel gerät, einen eindeutig soziopathisch veranlagten Patienten. Nicht nur, dass er gesteht, bereits als Vierzehnjähriger seine Stiefschwester getötet zu haben, er scheint auch Merettes Tochter Julia nachzustellen. Als deren Freundin Marie spurlos verschwindet und Merette herausfindet, dass in Aksels Umfeld weitere mysteriöse Badeunfälle geschahen, gerät sie in Panik. Die Opfer waren immer junge Mädchen – wie Julia und Marie. «

Schwesterlein muss sterben - Freda Wolff

(Cover-, Text- und Zitatrechte: Aufbau Verlag)

Meine Meinung:

Das Cover

Der erste Eindruck des Buches ist das Cover und dies ist bei „Schwesterlein muss Sterben“ ein richtiger Hingucker. Es zeigt ein, an den Handgelenken gefesseltes, Mädchen, welches bis zur Taille unter Wasser ist. Der Hintergrund ist schwarz bis dunkelblau, davon hebt sich das Kleid oder Nachthemd des Mädchens in kaltem weiß und ihre bleiche Haut stark ab. Das Mädchen verschwindet im Dunkeln des Wassers. Der Titel wiederrum sticht in grellem gelb hervor. Ich finde das Cover ist sehr schön gestaltet und wirft viele Fragen auf. Übrigens wirkt das Cover wenn man es in der Hand hält noch mal viel stärker als digital.

Handlung und Stil

Der Roman beginnt aus der Perspektive eines Mädchens, welches gefesselt und mit starken Kopfschmerzen aufwacht. Sie ist orientierungslos und weiß nicht wo sie ist, sie wurde entführt und ihr Peiniger trägt eine Maske und befiehlt ihr schwimmen zu gehen.

Der Anfang wirft sofort viele Fragen auf: Wer ist das Mädchen? Was geschieht mit ihr? Warum wurde sie entführt? Und warum will er, dass sie schwimmen geht? Der Auftakt des Buches versetzt einen sofort in die Handlung und Spannung hinein.

Die Handlung ist so aufgebaut, dass die Entführung des Mädchens den Punkt Null darstellt, und die Zeit dann Tage vorher beginnt, diesen Aufbau wie eine Zeitachse fand ich gut gemacht und hat die Spannung gesteigert, weil man wusste gleich ist es soweit, es spitzt sich zu. Außerdem wird die Handlung aus drei Perspektiven erzählt. Zum einen sind da Julia, die Tochter von Merette und die Psychologin Merette selber und zum anderen der unbekannte Täter.

Die Handlungsstränge sind immer wieder miteinander Verknüpft wie ein geflochtener Zopf, immer wieder wird der Leser mit offenen Fragen konfrontiert. Dies hat bei mir ungeheure Spannung aufgebaut. Der Schreibstil ist flüssig, jedoch ist mir aufgefallen, dass einige Stellen im Buch zu wenig beschrieben wurden um es sich gut vorstellen zu können. Ein Beispiel dafür ist der „Balkon“ vor Julias Wohnung mit der Feuerleiter. Das fand ich alles ein wenig dürftig beschrieben, dafür dass er immer wieder auftaucht.

Durch den Perspektivenwechsel und die Überschneidung der Handlungen wird der Spannungsbogen immer weiter aufgebaut und mir als Leser ist eine Frage nach der anderen durch den Kopf geschossen. Ist der mysteriöse Patient von Merette der Entführer, oder blufft er nur? Welche Rolle spielen die beiden Gärtner die bei Julia im Hinterhof arbeiten? Wer ist dieser Mikke, der aus dem nichts auftaucht den strahlenden Retter für Julia spielt und doch einige Geheimnisse zu haben scheint? Ist Mikke und Aksel die gleiche Person? Aber ich will ja hier nichts verraten. Das Buch hat mich bis zum Ende gefesselt. Erst ganz am Ende haben sich die Fragen geklärt.

Der Roman ist mit einem Spannenden Kapitel eingestiegen, hat dann immer mehr Spannung aufgebaut und hat zum Ende hin zügig an Tempo gewonnen. Das Ende war dann etwas schnell da und es blieben viele Fragen ungeklärt. Das kann man negativ sehen, aber mich hat es nach dem Lesen immer noch nachdenklich gestimmt.

Die Charaktere sind bodenständig und einfach, sie haben ihre Macken und Marotten. Julia beispielsweise trinkt ihren Espresso gerne kalt und Merette ist privat ziemlich chaotisch. Solche Details machen die Charaktere menschlicher und der ein oder andere kann sich mit ihnen identifizieren. Schade fand ich, dass an manchen Stellen die Charaktere zu konstruiert erschienen. Es schien als seien sie so geformt, dass sie in die Handlung passen und nicht die Handlung nach den Charakteren. So kam es mir vor, als Julia beispielsweise naiv und vertrauensselig Mikke mit nimmt oder Merette den verletzten Aksel ins Krankenhaus fährt anstatt endlich die Polizei zu rufen. Diese Naivität fand ich schon schmerzlich dumm, aber auch solche soll es geben.

Fazit

„Schwesterlein muss sterben“ ist ein Skandinavien Thriller, der einen fesselt und frösteln, der einen mitfiebern und der einen nicht mehr los lässt. Sehr gelungen! Ich hoffe auf weitere spannende Thriller von Freda Wolff.

© Clara Müller, blog.edgeofthewild.de

Buchdetails

Originaltitel: „The Devil’s Grin“
Autorin: Annelie Wendeberg
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Flexibler Einband: 240 Seiten
ISBN: 978-3-462-04643-4

 

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