Rezension: Lorely von Kai Meyer

Lorely - Kai Meyer

Lorely – Kai Meyer

Inhalt:

Die alte Sage der Loreley, wie sie noch niemand kennt: Anno domini 1320. Auf einer Klippe hoch über dem Rhein kauert ein kleines Mädchen in einem vergitterten Felsschacht. Noch ahnt Ailis, die beim Burgschmied in die Lehre geht, nichts von dem dunklen Geheimnis der Gefangenen. Doch dann gerät ihre beste Freundin Fee in den Bann des Mädchens im Felsen. Und die magischen Gesänge der Loreley drohen, das ganze Land ins Verderben zu reißen. Einzig Ailis kann die Gefahr abwenden. Ihr Weg führt sie geradewegs in die rätselhafte Welt der Spielleute … ~Klappentext

Rezenszion:

So nun hab ich es endlich geschafft Lorely zu ende zu lesen und ich muss sagen, es war mal etwas anderes von Kai Meyer. Ich habe bisher die Merle-Trillogie, die Wellenläufer Trillogie, Frostfeuer, den 1. Band der Drachen Trillogie gelesen.

Die Handlung bewegt sich im mittelalterlichen 14 Jahrhundert am Fuße des Lurinbergs, an den Ufern vom Rhein. Das Mädchen Ailis ist Gesellin beim Schmied Erland, der Hofschmied von Burg Rheinfels. Ihre beste Freundin, ist die Nichte vom Burgherrn. Ailis ist mit einem außergewöhnlich guten Gehör gesegnet. Eines Tages sind Spielleute zu Gast auf der Burg und ihre herrliche Musik wird sogleich freudig begrüßt von den Burgbewohnern. Nur Ailis jedoch hört die Musik hinter der Musik. Eine wundervolle Melodie, die nicht für gewöhnliche Ohren hörbar ist. Eines Nachts wacht sie von der sonderbaren Melodie auf und es zieht sie zum Lurinberg, auf der anderen Seite des Rheins. Sie fährt hinüber und endeckt hoch auf einem Plateau eine Art Brunnen, der von einem mit Stacheln übersäten massiven Metalldeckel versperrt ist. Sie hört eine zarte Stimme nach ihr rufen und als sie einen Blick in den Brunnen erhascht, sieht sie in ihm ein junges Mädchen kauern. Voller schrecken erinnert sie sich zurück als sie zehn Jahre alt war. Ihr Vater hatte sie auf Grund ihres außergewöhnlichen Gehörs mitgenommen auf die Jagt, doch was sie wirklich gejagt haben musste sie später feststellen: es war eben dieses junge Mädchen dort unten im Schacht.

Das Mädchen entpuppt sich als das Echo des Lurninbergs, die Torhüterin zur Welt der Feen, Faerie. Der Brunnen ist das Tor zur anderen Welt und muss von einem Hüter bewacht werden, doch manchmal wird der Hüter wahnsinnig und will die Macht an sich reißen. Das Echo versucht Ailis in ihre Gewalt zu bringen mit ihrer Melodie, dazu zu treiben, das Schloss an der Abdeckung zu öffnen und ihren Körper zu übernehmen, doch Fee, Ailis beste Freundin seit Kindestagen gerät dazwischen und so übernimmt das Echo sie, an Ailis statt. Nun da das Echo frei ist, kann es jeden dazu bringen zu machen was sie sagt und großes Unheil anzurichten. Ailis gibt ihre beste Freundin nicht auf und macht sich auf den weg um Antworten zu finden. Um ihr Ziel zu erreichen verbündet sie sich mit den Spielleuten, die die Melodie beherrschen.

Schließlich kommt es zu einem innerer Streit in Ailis: soll sie ihre beste Freundin retten oder ihrer Angst folgen und fliehen? Rettet sie ihre Freundin um der Menschen willen oder aus selbstsüchtigen Gründen: Fee ihre beste Freundin und die Frau die sie liebt soll nur ihr gehören.

Die Geschichte greift eine alte Sage um den Lorelyfelsen auf und macht daraus eine sehr gut konstruierte und bewegende Geschichte. Es gibt viele verschiedene Versionen dieser Sage, aber im Kern geht es um eine junge Frau oder auch Meerjungfrau, die am Fuße des Felsen haust und Schiffe mit ihrem Gesang ins Unglück stürzt. Eine andere Sage spricht von Echo des Wehklagen der Lorely, weil diese ihren Geliebten verloren hat.

Die Handlung ist einerseits an das mittelalterliche Leben, wie man es sich vorstellen könnte angelehnt und andererseits ist sie fantastisch und sagenhaft.

Neben den normalen menschlichen Bewohnern der mittelalterlichen Burg, spielen auch Feen, Druiden, Hexen und Spielleute mit einem außergewöhnlichen Gefühl für Musik eine Rolle.

Das entscheidende Thema des Buches ist die Freundschaft zwischen Ailis und Fee. Es ist eine Freundschaft von Kindestagen an. Beste Freundinnen fürs Leben und eine Art Ersatzfamilie. Aber es schwingt auch Eifersucht mit. Ailis ist sehr Eifersüchtig als sie erfährt, dass Ailis aus einer gastfreundlichen Tradition heraus das Bett mit einem Ritter (Baan) teilen muss. Und die Eifersucht steigert sich noch mehr als klar wird das Baan um Fees Hand anhält und Fee beabsichtigt mit Baan fort zu gehen. Das erste Mal merkt Ailis, dass da mehr ist als die tiefe Freundschaft, die sie für Fee fühlt. Eine weitere wichtige Thematik ist die Familie. Ailis ist von ihrer Familie immer kaltherzig behandelt und zuletzt verstoßen worden. Fees Mutter ist gestorben und ihr Vater nach dem Tod der Mutter verschwunden. Sie wurde dann von ihrem Onkel, dem Burgherr und ihrer Tante aufgezogen.

Zu Anfang des Buches habe ich erwartet, dass es sich um einen eher historischen Roman als um ein Fantasy Buch handelt. Zu diesem Eindruck hat besonders auch das Cover beigetragen. Das Buch ist erhältlich mit dem hier abgebildeten schwarzen Cover, mit dem Mädchen darauf, oder aber in einem beigefarbenen Cover mit einem ans Mittelalter angelehnten Stil gemaltes Bild. Ich persönlich finde das dunkle Cover als sehr viel passender. Es vermittelt direkt die düstere Atmosphäre und die Bedrohung, die durch das Wesen im Körper eines jungen Mädchens, ausgeht.

Fazit:

Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen. Ich finde es ist wie auch jedes andere Buch, das ich bisher von Kai Meyer gelesen habe, sehr spannend und sehr gelungen. Der Stil und die Sprache sind einerseits an den Historischen Rahmen angepasst und dennoch sehr flüssig zu lesen, was ich – als langsame Leserin – sehr angenehm finde. Die Handlung an sich, die Charaktere, fand ich richtig gut! Das Buch ist total spannend. Durch die genaue Beschreibung der Charaktere und die Art und Weise baue ich als Leserin eine Bindung zu ihnen auf. Man geht mit ihnen durch Freundschaft, Streit, Angst und zuletzt inneren Widerspruch. Man kann sich in sie hinein versetzten und haucht ihnen Leben ein. So muss ein Buch sein! Einen Stern ziehe ich ab, da das beigefarbene Cover nicht hübsch und auch in die Irre führend empfinde.

 

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